1.1 Elektrische Strömung
Elektronen: negativ geladene (-Q
= e = 1,602 ×
10- 19 Asec) Elementarteilchen
verschwindend kleiner Masse (Ruhemasse mo =
9,1 × 10-
28 g ).
Ionen: Atome, Moleküle oder Molekülteile, die mehr
oder weniger Elektronen enthalten, als zu ihrer Neutralisierung notwendig
sind. Teilchen mit einer negativen überschüssigen Ladung heißen
Anionen, die mit einer positiven Ladung heißen Kationen.
Infolge verschiedener Einflüsse, vor allem der Temperatur, befinden
sich diese Ladungsträger im Allgemeinen in einer dauernden Bewegung.
Wirken keine äußeren Kräfte auf die Ladungen, so sind diese
Bewegungen völlig ungeordnet, sodass keine resultierende einseitige
Bewegungsrichtung der Ladungsträger auftritt; man spricht von einem
elektrischen Rauschen.
Führt man bestimmte Zustände herbei, die eine einseitig gerichtete
Kraft auf alle Ladungen gleichen Vorzeichens ausüben, wird den ungeordneten
Bewegungen eine einseitig gerichtete Bewegung aller mit gleichnamigen Ladungen
behafteten Elementarteilchen überlagert, d.h. alle Ladungen gleicher
Polarität bewegen sich (fließen) in einer bestimmten Richtung.
Bewegen sich gleichnamige Ladungsträger in einer bestimmten Richtung,
so spricht man von einer elektrischen Strömung bzw. davon, dass
ein elektrischer Strom fließt.
Beim Elektronenstrom handelt es sich um die Strömung elektrischer
Ladung ohne nennenswerten Materialtransport. Bei der Ionenströmung
im Elektrolyten ist mit der
Ladungsströmung auch eine merkliche Materialströmung
verbunden. Die elektrische Strömung kann durch menschliche Sinne nicht
direkt, sondern nur über die von dieser hervorgerufenen Wirkung indirekt
wahrgenommen werden.
Wirkungen:
| magnetische: |
In der Umgebung bewegter Ladungen wird ein magnetisches
Feld aufgebaut. |
| thermische: |
Das Medium, welches elektrisch durchströmt wird, erwärmt
sich. |
| chemische: |
Bestimmte Flüssigkeiten (Elektrolyte) werden chemisch
verändert. |
Der elektrische Strom ist eine gerichtete Bewegung der Ladungsträger,
die durch eine Spannung verursacht wird.
Die Klemmen einer Gleichspannungsquelle sind mit plus und minus gekennzeichnet,
wobei plus eine Häufung positiver Ladungsträger an diesem Pol
und minus die Häufung negativer Ladungsträger bedeutet. Die technische
Richtung des elektrischen Stromes ist entgegengesetzt der Richtung des
Elektronenstromes, also der wahren Bewegung der elektrischen Ladung in
metallischen Leitern und im Vakuum (Elektronenröhre), definiert (Bild
1.1/1).
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1.2.1 Stromstärke I
Bei metallischen Leitern liegt die Dichte der freien Elektronen in der
Größenordnung von n = 1023 Elektronen/cm3.
Jedes Elektron besitzt die Elementarladung (-e).
Die Stromstärke, d.h. die Ladungsmenge, die pro Zeit einen Querschnitt
durchfließt (Bild 1.2.1/1), berechnet sich mit Gl.
(1.2.1/1).
Bei homogener Verteilung der Strömung über den Leiterquerschnitt
A ergibt sich die Stromdichte J aus Gl. (1.2.1/2).
Darin lässt sich das Produkt n×e
als Ladungsdichte h, d.h. als Ladung Q pro Volumen
V deuten.
Ist die Strömung während der Zeit nicht konstant, d.h. ändert
sich die durch den Leiterquerschnitt fließende Ladungsmenge (Q) mit
der Zeit , so wird auch die Stromstärke eine Funktion der Zeit (Gl.
(1.2.1/3)).
Mit Lichtgeschwindigkeit wird entlang eines Leiters der Zustand aufgebaut,
der die Kraftwirkung auf die Elektronen ausübt. Bei den gebräuchlichen
Leiterlängen setzen sich beim Anlegen einer Spannung alle Elektronen
entlang des ganzen Leiters nahezu gleichzeitig in Bewegung, aber mit einer
Geschwindigkeit, die in der Größenordnung von Millimetern je
Sekunde liegt (siehe Bsp. 1.2.1/1).
Bsp. 1.2.1/1:
Wie groß ist die Strömungsgeschwindigkeit der Elektronen
in einem Leiter mit A = 1mm2, wenn 10 A
fließen?
Aus Gl. (1.2.1/4) ergibt sich:
Da e > 0 definiert ist , hat
die entgegengesetzte Richtung zu .

Richtung der Elektronen

Richtung des def. Stromes I
Bsp. 1.2.1/2:
Die in Bild 1.2.1/4 skizzierte Kreisringscheibe wird von
einer Strömung I durchflossen, die bei der inneren Zylinderfläche
beginnt und bei der äußeren Zylinderfläche endet, also
strahlenförmig fließt. Wie groß ist die Stromdichte im
Punkt P?
Ist der Strom I nicht gleichmäßig über die Fläche
A verteilt (Bild 1.2.1/5), so ist die Stromdichte J abhängig
vom Ort innerhalb des Querschnitts. Der Strom berechnet sich dann mit Gl.
(1.2.1/6).
Bsp. 1.2.1/3:
Gegeben sind die in Bild 1.2.1/6 skizzierten Zeitverläufe
einer elektrischen Ladung q(t), die den betrachteten Querschnitt
eines stromdurchflossenen Leiters passiert.
Zeichnen Sie qualitativ die zugehörigen Stromverläufe
i(t).
Bsp. 1.2.1/4:
Mit einem Oszilloskop wird die in Bild 1.2.1/7 dargestellte
i(t)-Funktion gemessen. Welche Elektrizitätsmenge passiert in der
Zeit von t1 = 0 bis t2
= 2 sec den Leiterquerschnitt?
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1.2.2 Elektrische Spannung U
Die elektrische Größe, die das Fließen eines elektrischen
Stromes verursacht, ist die elektrische Spannung U ([U] =
V).
Die Spannung wird in Spannungsquellen magnetisch, chemisch, thermisch,
durch Lichteinwirkung usw. erzeugt.
In einem Leiter stellt man einen Spannungsabfall fest.
Flächen gleicher Spannung nennt man Äquipotentialflächen (Bild
1.2.2/1).
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1.2.3 Zusammenhang zwischen
Strom und Spannung (Ohm'sches Gesetz)
Experimentell lässt sich der in Gl. (1.2.3/1)
beschriebene Zusammenhang ermitteln.
Unter der Voraussetzung, dass die Leiterlänge l groß
gegenüber den linearen Querschnittsabmessungen A ist, errechnet sich
der Widerstand R mit Gl. (1.2.3/2).
Die Spannung U bewirkt den Stromtransport, erzeugt also ein Feld, das
auf die Elektronen wirkt.
Für homogene Felder (Bild 1.2.3/1) berechnet sich
die elektrische Feldstärke E mit Gl. (1.2.3/3), wenn das
Wegelement in Richtung
von zeigt. Bei einem inhomogenen
Feld (Bild 1.2.3/3) erhält man die Spannung U mit der
Gl. (1.2.3/4).
Für das skizzierte Volumenelement in Bild 1.2.3/4
lässt sich die allgemeine Beziehung in Gl. (1.2.3/5)
ableiten. Das ohmsche Gesetz des Strömungsfeldes ist in Gl.
(1.2.3/6) dargestellt.
Bsp. 1.2.3/1:
Die in Bild 1.2.3/5 skizzierte Kreisscheibe aus Marmor
hat eine Leitfähigkeit von c = 10-11
S/cm. Zwischen den dünnen Metallzylindern mit ri
= 5 cm und ra
= 15 cm herrscht eine Spannung von 20
kV.
| a) |
Wie groß ist der den Marmor durchfließende
Strom, wenn die Dicke der Scheibe s =
10 cm ist? |
| b) |
Wie groß ist der Widerstand R? |
Bsp. 1.2.3/2:
In einer Leitung mit kreisförmigem Querschnitt A fließt ein
Strom. Wie und um wie viel Prozent muss der Durchmesser D verändert
werden, damit bei einer Stromzunahme von 3% die Stromdichte gleichbleibt?
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1.2.4 Widerstand R
Die Driftgeschwindigkeit der Elektronen wird durch Zusammenstöße
mit den Atomen des Leitermaterials ständig unterbrochen. Dabei verlieren
die Elektronen kinetische Energie, die die thermischen Schwingungen der
Atome erhöht (Erwärmung).
Bei wachsender Temperatur erhöht sich in Metallen die statistische
Wahrscheinlichkeit, dass Elektronen zusammenstoßen; dadurch
nimmt der elektrische Widerstand R zu.
Die Temperaturabhängigkeit lässt sich mit Hilfe des Temperaturbeiwertes
oder Temperaturkoeffizienten a beschreiben.
a gibt an, um wie viel sich der Wert eines
Widerstandes bei DJ =
1° ändert. Je nach Höhe der Ausgangstemperatur J1
hat a verschieden große Werte, d.h. a
ist eine Funktion der Temperatur.
Deshalb wird ein mittlerer Temperaturbeiwert aM
eingeführt, der für einen bestimmten Temperaturbereich konstant
ist.
Bei der Temperatur J1 sei R1
der Widerstand (Bild 1.2.4/1).
Erhöht sich die Temperatur auf J2,
so ändert sich R1 um R1 ×
aM ×
(J2 -
J1).
Damit beträgt der Widerstand bei der Temperatur J2
: R2 = R1+ R1 ×
aM ×
(J2 -
J1).
Mit Gl. (1.2.4/1) lässt sich näherungsweise
die Widerstandserhöhung für einen begrenzten Temperaturbereich
(Bild 1.2.4/1) berechnen.
Für den Bereich von J = 0
- 100°C beträgt aM
z.B. für
Kupfer:
aM = 4,28×10-3
/ Grad
Platin:
aM = 3,91×10-3
/ Grad
Bei Kohle ist aM negativ.
Mit Halbleiterwerkstoffen lässt sich beinahe jede Temperaturabhängigkeit
realisieren.
In den meisten Tabellen wird a auf 20°C
Leitertemperatur bezogen.
Die auf 20°C bezogene Näherungsgleichung (1.2.4/2) gilt in
guter Näherung bis etwa J =
200°C. In Wirklichkeit besteht ein nichtlinearer Zusammenhang
zwischen Temperatur- und Widerstandserhöhung. Diese nichtlineare Kennlinie
kann mit einem Taylorpolynom approximiert werden. Gl. (1.2.4/2)
ist der lineare Term dieses Polynoms. Berücksichtigt man zusätzlich
den quadratischen Term des Taylorpolynoms, dann erhält man die Gl.
(1.2.4/3), die das Verhalten in guter Näherung auch oberhalb
von J = 200°C
beschreibt. Je mehr Terme man von dem Taylorpolynom berücksichtigt,
desto genauer wird das Ergebnis. Es hat sich jedoch gezeigt, dass
für die meisten praktischen Berechnungen die Gl. (1.2.4/3)
vollkommen ausreicht.
Bild 1.2.4/2 stellt das Verhalten von sogenannten Kalt-
und Heißleitern dar.
Während bei metallischen Werkstoffen konstanter Temperatur der
Widerstand R konstant ist (linearer Zusammenhang zwischen U und I) gibt
es auch nichtlineare Kennlinien (Bild 1.2.4/3). Für diese
Kennlinien gibt es folgende Beschreibungsmöglichkeiten:
1. I = f(U) bzw. U =
f(I)
2. Angabe des Absolutwertes U/I und der Steigung dU/dI
3. nur die Steigung dU/dI
Die Steigung wird als differentieller Widerstand bezeichnet (Gl.
(1.2.4/4)).
Der differentielle Widerstand entspricht dem Anstieg der Tangente im
Arbeitspunkt der nichtlinearen Kennlinie; die Kennlinie wird in diesem
Bereich linearisiert, indem der Anstieg der Tangente den Widerstandswert
bestimmt.
Bild 1.2.4/4 zeigt das einfachste Ersatzschaltbild eines
elektrischen Stromkreises.
Bsp. 1.2.4/1:
Wie groß ist der Dauer- bzw. Einschaltstrom einer Glühlampe
mit einem Wolframdraht von 0,024 mm Durchmesser und 62
cm Länge in heißem (2200°C) und kaltem Zustand (20°C),
wenn die Glühbirne an 240 V angeschlossen wird ?
r = 0,055
W mm2/m
a20 =
4,1 × 10-3
°C-1 ; b20
= 10 -6
°C-2
Bsp. 1.2.4/2:
| a) |
Aus den durch Messungen (Bild 1.2.4/5) bestimmten
Werten sind die Temperaturkoeffizienten für Kupfer und Konstantan
zu berechnen. |
| b) |
Der Kupferwiderstand beträgt bei Nenntemperatur 25 W.
Der Konstantandraht hat bei dieser Temperatur den Querschnitt AK
= 10-2
mm2 und den spezifischen Widerstand rK
= 0,5 W mm2/m. Die
beiden Widerstände werden in Reihe geschaltet.
Wie lang muss der Konstantandraht sein, wenn der Gesamtwiderstand
unabhängig von Temperaturschwankungen werden soll? |
| c) |
Wie groß ist der Gesamtwiderstand bei Nenntemperatur? |
Bsp. 1.2.4/3:
Mit einem Ohmmeter wird bei 12°C der Widerstand eines Kupferdrahtes
(a Cu =
3,93 ×10 -3/
°C) RK = 3,42 W
gemessen. Auf welchen Wert wurde der Kupferdraht erwärmt, wenn
das Ohmmeter RW = 4,21 W
anzeigt?
Bsp. 1.2.4/4:
Bei einem Drehspulinstrument hat die Drehspule einen Widerstand von
RSp = 80,7 W
(Kupferdraht). Ein Vorwiderstand RV =
252,6 W aus Manganin dient zur Messbereichserweiterung
(aCu =
0,4 % / °C; aM =
0,001 % / °C).
| a) |
Wie groß ist die prozentuale Widerstandsänderung
beider Einzelwiderstände RSp und RV und des
Gesamtwiderstandes Rges bei einer Temperaturerhöhung um
DJ = 20°C? |
| b) |
Berechnen Sie den Temperaturkoeffizienten des Gesamtwiderstandes. |
Bsp. 1.2.4/5:
Gegeben ist in Bild 1.2.4/6 die Kennlinie einer idealen Halbleiterdiode
(Sperrstrom IS = 1 mA,
Temperaturspannung UT = 25
mV).
| a) |
Wie groß ist der Gleichstromwiderstand R(0) im Nullpunkt? |
| b) |
Wie groß ist der differentielle Widerstand r für
U = 8 ×
UT (Flussgebiet) und U = -8
× UT (Sperrgebiet) ? |
Bsp. 1.2.4/6:
Gegeben ist in Bild 1.2.4/7 die Kennlinie einer realen
Halbleiterdiode (IS = 1 mA,
UT = 25 mV, Bahnwiderstand
RB = 3 W).
Wie groß ist der differentielle Widerstand für I =
0 und I = 1 mA?
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1.2.5 Energie und Leistung der elektris
chen Strömung (homogener Leiter)
Eine Spannung U bewirkt in Bild 1.2.5/1 auf der Länge
l eine Kraft F auf eine Ladung Q (Elektron). Die Kraft F lässt
sich allgemein berechnen mit Gl. (1.2.5/1). Die dafür
benötigte Energie W ([W] = Wsec) ergibt sich für
U = konstant und I =
konstant aus Gl. (1.2.5/2). Sind dagegen Spannung und
Strom Funktionen der Zeit (u(t), i(t)), dann muss mit dem Integral
in Gl. (1.2.5/3) gerechnet werden.
Die Leistung P ([P] = W) in
Gl. (1.2.5/4) gibt an, welche Energieänderung dW je Zeiteinheit
dt erfolgt. Bei zeitlich konstanten Größen darf mit Gl.
(1.2.5/5) gerechnet werden. Die Leistung am ohmschen Widerstand
ergibt sich aus Gl. (1.2.5/6).
Energie kann nicht erzeugt oder verbraucht werden, sondern nur in andere
Energieformen (mechanische, elektrische, thermische, optische, chemische)
umgewandelt werden.
Bsp. 1.2.5/1:
Es soll ein Tauchsieder mit einer Leistungsaufnahme von 500 W
bei einer Netzspannung von 240 V hergestellt werden.
| a) |
Welche Länge Chromnickeldraht (d =
0,3 mm, r =
1 W mm2/m) wird hierfür
benötigt? Eine Widerstandsänderung durch DJ
(2 - 3 %) kann vernachlässigt werden. |
| b) |
Wie hoch sind die Kosten für einen zehnstündigen
Betrieb (1 kWh kostet 0,10 EUR)? |
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Zum 2. Kapitel
| © | 1998-1999 | by Duderstadt, Frank & Hohenstein, Steffen |
| | 1999-2000 | Überarbeitet von Jan Knickmeier & Timo Eich |
| | 2002 | Überarbeitet von Markus Mattern |
|