6 Das magnetische Feld in Materie
  
6.1 Magnetisches Verhalten der Materie
6.2 Ferromagnetische Materie
6.3 Die magnetischen Feldgrößen an Grenzflächen
6.4 Die praktische Berechnung des magn. Feldes in inhomogenen Räumen mit ferromagnetischer Materie




6. Das magnetische Feld in Materie

In materiellen Körpern bildet sich das Magnetfeld anders aus als im Vakuum. Da heute als alleinige Ursache des Magnetfeldes die bewegte Ladung angesehen wird, müssen also in der Materie Ladungsbewegungen stattfinden, die ein, sozusagen der Materie eigenes, zusätzliches Magnetfeld erregen. Nach der einfachen Modellvorstellung bilden sich im Inneren der Materie mikrokosmische Kreisströme aus, die jeweils ein zu ihrer Kreisbahn senkrecht stehendes Elementarfeld d erregen (Bild 6/1).
Da aber selbst diese grobe Modellvorstellung als Grundlage einer quantitativen Berechnung zu kompliziert ist, begnügt man sich damit, die Elementarerregungen über die Stoffkonstante μ in die Rechnung einzuführen, und zwar so, dass die bisher verwendete Definitionsgleichung = μ · in beliebiger Materie gilt. Es wird also allein aus den äußeren makroskopischen Strömen (z.B. I in Bild 6/2) berechnet.
Dieses würde im Vakuum die Induktion 0 verursachen, in der Materie dagegen . Es tritt also ein der Materie eigenes Feld μ auf, welches sozusagen von einem resultierenden Strom (z.B. Iμ in Bild 6/2) aller elementaren Ladungsbewegungen erregt wird. Statt nun aber die in der Materie auftretende resultierende Induktion mit μ0 aus der resultierenden Erregung zu berechnen, was durchaus auch möglich wäre, wird sie aus rein praktischen Erwägungen über μ ≠ μ 0 aus der äußeren Erregung berechnet. Die resultierende Stoffkonstante μ wird als absolute Permeabilität des Feldraumes aufgefasst. Sie wird als Produkt der Induktionskonstanten μ0 und der relativen Permeabilität μr der den Feldraum ausfüllenden Materie angegeben. In der Praxis wird die relative Permeabilität μr, die also ein Maß für den statistischen Mittelwert der Summe aller von den Elementarströmen verursachten Zusatzerregungen ist, experimentell ermittelt. Aus dieser experimentell ermittelten Permeabilität lässt sich relativ einfach die, vorwiegend bei grundlegenden physikalischen Betrachtungen interessierende, resultierende innere Zusatzerregung bestimmen (Gl.(6/3)).

Hinsichtlich ihres magn. Verhaltens kann die Materie aus der für die Praxis interessierenden makroskopischen Sicht in die Gruppen des Bildes 6.1/1 unterteilt werden. Dieser Einteilung liegt die Modellvorstellung zugrunde, dass in jeder Materie elementare Kreisströme auftreten, allerdings sind die von ihnen erregten Elementarfelder im unmagnetisierten Zustand so unregelmäßig orientiert, dass kein resultierendes Feld nach außen in Erscheinung tritt (Bild 6/1).


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6.1 Magnetisches Verhalten der Materie

6.1.1
Bleibt in einer Materie die regellose Orientierung der Elementarfelder auch erhalten, wenn in ihr ein magn. Feld auftritt, so spricht man von einem magn. neutralen Stoff, für den μ r = 1 ist (z.B. Luft).

6.1.2
In Materie, deren Elementarströme sich unter Einwirkung eines äußeren Feldes in einer Richtung orientieren (Bild 6/2), bilden sich von null verschiedene resultierende innere Erregungen aus, die ein zusätzliches, sozusagen inneres Feld erregen, welches sich dem äußeren überlagert.

6.1.2.1
In den diamagnetischen Stoffen wirken die inneren Erregungen dem äußeren Feld entgegen und schwächen dieses r < 1). Die bekannten diamagnetischen Stoffe bilden aber nur ein äußerst geringes Gegenfeld aus (Wismut: μr = 1 - 160 · 10-6, Zink: μr = 1 - 10 · 10-6, Kupfer: μr = 1 - 12 · 10-6, Wasser: μr = 1 - 9 · 10-6). In diamagnetischen Stoffen ist μr unabhängig von bzw. und der Temperatur.

6.1.2.2
Die Materie, in der die inneren Erregungen verstärkend auf das äußere Feld einwirken, unterteilt man in zwei weitere Gruppen.

6.1.2.2.1
Paramagnetische Stoffe zeigen ähnlich wie die diagmagnetischen nur eine äußerst schwache, allerdings verstärkende Wirkung auf das äußere Feld (Aluminium: μr = 1 + 22 · 10-6, Paladium: μr = 1 + 780 · 10-6, Platin: μr = 1 + 330 · 10-6, Sauerstoff: μr = 1 + 1,5 · 10-6).
μr ist unabhängig von bzw. , jedoch temperaturabhängig.

6.1.2.2.2
In ferromagnetischen Stoffen treten sehr große verstärkende innere Erregungen auf r bis 105). Die verstärkende Wirkung ist hier aber abhängig von der Induktion innerhalb des Stoffes (Eisen, Nickel, Kobalt, Heusler'sche Mangan-Kupfer Legierungen), außerdem fallen die einmal durch ein äußeres Feld in eine bestimmte Richtung orientierten Elementarströme nach Verschwinden des äußeren Feldes nicht vollständig wieder in ihre regellose Ausgangslage zurück, d.h., es bleibt ein sozusagen der Materie eigenes Feld bei diesen Stoffen zurück. Je nachdem, in welcher Stärke das Eigenfeld bestehen bleibt, unterscheidet man weich- und hartmagnetische Stoffe (Naturmagnete). Da sich die praktischen Problemstellungen nahezu ausschließlich auf Felder in magn. neutraler oder ferromagnetischer Materie beziehen, kann man sich darauf beschränken, nur das Verhalten ferromagnetischer Stoffe zu betrachten.

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6.2 Ferromagnetische Materie

Nach dem Bohr’schen Atommodell bewegen sich die Elektronen auf bestimmten Bahnen um den Atomkern. Ein solches Elektron bildet einen Ringstrom und erzeugt so einen elementaren Dauermagneten. Somit können auch die Atome bzw. Moleküle elementare Dauermagnete bilden. Infolge der Wärmebewegung befinden sich diese Dauermagnete in statistischer Unordnung, sodass ihre Wirkungen nach außen nicht in Erscheinung treten. Außerdem stellt man sich vor, dass die Elektronen eine Rotation um ihre eigene Achse machen, man sagt dazu auch, das Elektron hat einen Drall oder Spin. Jedes so kreisende Elektron stellt einen Kreisstrom dar, der ähnlich wie eine Stromwindung, also wie ein kleiner Dauermagnet, wirkt. Diese Spinmagnete können sich unter bestimmten Bedingungen plötzlich parallel ausrichten und ein äußeres Magnetfeld verstärken. Dieses Richtvermögen hängt vom Aufbau der Elektronenschale, sowie von den Abständen der einzelnen Atome im Verband des Kristallgitters ab. Der Ferromagnetismus ist eine Kristalleigenschaft, denn z.B. Fe-Dampf und Fe-Salze sind nicht ferromagnetisch.
Nach der Vorstellung von Pierre Weiß müssen wir weiterhin annehmen, das es in einem ferromagnetischen Werkstoff mikroskopisch kleine Bereiche geben muss, die bereits bis zur Sättigung magnetisiert sind und deren Magnetisierungsrichtungen nur in bestimmten Richtungen innerhalb der Kristalllinienbereiche liegen können. Solche Bereiche heißen Weiß’sche Bezirke (Bild 6.2/1). Es handelt sich dabei offensichtlich um Bereiche, in denen die Spinmagnete der Einzelatome parallel gerichtet sind. Ein Weiß’scher Bezirk umfasst mindestens 64 Elementarzellen des Kristalls und kann bis zu 106 Molekül- oder Atomgruppen umfassen. Die Grenzen zwischen den Weiß’schen Bezirken nennt man Blochwände, nach ihrem Entdecker Bloch. Bei äußeren Feldstärken vergrößern sich bevorzugte Bezirke auf Kosten der Nachbarbezirke (Blochwandverschiebungen) und drehen sich schließlich mit ihrem Magnetisierungsvektor in Richtung der äußeren Feldstärke ein (Drehprozesse). Bei entsprechend hoher Feldstärke gibt es keine zusätzliche Erhöhung durch Materialeinwirkung mehr (Sättigung).
Die sprunghaften Änderungen der Bezirke hat Heinrich Barkhausen erstmalig mit Hilfe der Induktionswirkung in einer das Material umgebenden Spule hörbar gemacht ("Barkhausensprünge"). Die Verstärkung des resultierenden Feldes erfolgt also nicht kontinuierlich wie bei der para- und diamagnetischen Materie, sondern stufenweise.
Im magn. neutralen Zustand liegen die Orientierungsrichtungen der Gebiete so unregelmäßig, dass in einem makroskopischen Volumen keine resultierende Erregung auftritt. Infolge eines äußeren Feldes stellen sich dann die Orientierungen der Elementarerregungen jeweils geschlossen über Teilgebiete oder, bei starker äußerer Erregung, über ganze Gebiete in die Richtung der äußeren Erregung ein (Bild 6.2/2).
Bei einer bestimmten Temperatur (Curie-Temperatur) verliert das Ferromagnetikum seine besonderen magn. Eigenschaften, da die thermische Energie die Magnetisierung in den Weiß’schen Bezirken zunichte macht (bei Eisen etwa 770°C).
Da die Induktion bei ferromagnetischer Materie nichtlinear von abhängt (μ=f()), ist es zweckmäßig, diesen nichtlinearen Zusammenhang durch sogenannte Magnetisierungs- oder Hysteresekurven direkt darzustellen, welche die für alle ferromagnetischen Stoffe typische Abhängigkeit der Induktion von der äußeren magn. Erregung anschaulich aufzeigen (Bild 6.2/3). Wird ferromagnetische Materie einem äußeren -Feld ausgesetzt, dessen äußere Erregung von 0 bis max gesteigert wird, so richten sich unter der Wirkung von zunehmend Elementarerregungen bereichsweise in Richtung von aus, sodass infolge der stärker als anwachsenden resultierenden Gesamterregung die Induktion zunächst progressiv, dann linear wesentlich stärker als im Vakuum mit der äußeren Erregung ansteigt.

Da die Menge der Elementarerregungen aber endlich ist, werden von einem bestimmten Punkt an mit weiter zunehmendem immer weniger Bereiche ungeordneter Elementarerregungen zur Verfügung stehen, die ausgerichtet werden können, d.h., wird immer flacher mit ansteigen, bis schließlich alle Bereiche ausgerichtet sind. Dann kann trotz weiterer Steigerung des Feldes keine Zusatzerregung mehr hinzukommen, und wird nur noch im gleichen Maße mit anwachsen wie im Vakuum, die Steigung ist hier dB/dH = μ0 (Bild 6.2/4).

Wird die äußere Erregung wieder verringert, so wird auch und damit die Richtwirkung auf die Elementarerregungen kleiner. Das bedeutet, dass die dann wieder überwiegenden inneren Rückstellkräfte die Elementarerregungen bereichsweise in die ungeordnete Lage zurückbringen. Infolge innerer molekularer Kräfte ist aber jede Lageänderung der Elementarerregungen mit einer Art "Reibungsverlust" verbunden, sodass jede Umorientierung durch die Kraftwirkung des äußeren Feldes bzw. der inneren Rückstellkraft, vermindert um die "Reibungskraft", verursacht wird, d.h., beim Auf- und Abbau des Feldes wird der Zusammenhang zwischen und durch eine Hysteresekurve beschrieben. Diesem Mechanismus entsprechen auf der Hystereskurve (Bild 6.2/3) folgende charakteristische Bereiche:

a) Wird ein völlig unmagnetischer Stoff von H=0 bis +Hmax aufmagnetisiert, so steigt B auf der Neukurve von 0 bis +Bmax an. Die Entmagnetisierung eines magn. Werkstoffes erfolgt durch einen langsam abnehmenden Wechselstrom (Bild 6.2/5).

b) Wird die äußere Erregung H von Hmaxauf H=0 verringert, geht B von +Bmax nur bis auf einen positiven Restwert Br zurück. Diese Remanenzinduktion (Restmagnetisierung) wird von der resultierenden inneren Erregung der nicht wieder in die ursprünglich regellose Lage umorientierten Bereiche verursacht. Damit erklärt sich die Funktionsweise von Dauermagneten (permanenten Stahlmagneten); sie sind nichts weiter als Eisen im Remanenzzustand. Dabei kann der remanente Magnetismus durch die elektr. Durchflutung einer Spule oder durch das vorhandene Feld eines Dauermagneten hervorgerufen werden. Als Stahlsorten eignen sich besonders solche, die neben ausreichender Remanenz eine hohe Koerzitiverregung (siehe c)) besitzen, sodass sie nicht so leicht entmagnetisiert werden können.

c) Wird eine äußere Gegenerregung -H aufgebracht, fällt B weiter. Diejenige Gegenerregung, die die inneren Elementarerregungen vollständig kompensiert, sodass B wieder null ist, wird Koerzitiverregung Hk (Hc) genannt. Erwähnt sei, dass durch diese äußere Gegenerregung Hk die regellose Orientierung des Ursprungszustandes nicht vollständig wieder erreicht wird, d.h., nach dem Abschalten der Gegenerregung Hk wird B wieder größer null.

d) Wird die äußere Gegenerregung bis -Hmax gesteigert, wächst auch B in negativer Richtung an bis -Bmax.

e) Von -Bmax steigt dann B=f(H) wieder ähnlich wie in b) bis d) beschrieben auf +Bmax an.

Bei magn. hartem Eisen, besonders gehärtetem Stahl, erhält man breite Hystereseschleifen mit hoher, bei magn. weichem Eisen (Dynamoblech) schmale Schleifen mit geringer Koerzitiverregung (Bild 6.2/6).
Für Berechnungen würde es sehr erschwerend sein, wenn man Eisensorten mit breiter Hystereseschleife berücksichtigen müsste. Es würden dann nämlich je nach der erfolgten Vormagnetisierung ganz verschiedene Erregungen und Ströme erforderlich sein, um immer wieder dieselbe Induktion zu erhalten. Die in elektr. Maschinen und Elektromagneten verwendeten Eisensorten gehören jedoch zu denen mit schmaler Schleife, sodass eine mittlere Kurve benutzt werden kann. Man lässt also die Vorgeschichte unberücksichtigt, wobei der dadurch verursachte Fehler vernachlässigbar ist. Für die meisten praktischen Rechnungen kann bei jeder Eisensorte mit einer B-H-Kurve, nämlich der Magnetisierungskennlinie oder Kommutierungskurve, gearbeitet werden (Bild 6.2/7). Die Kommutierungskurve ist der geometrische Ort der Umkehrpunkte (Hmax-, Bmax-Punkte) aller Hysteresekurven für H=0 bis H=Hmax und entsteht dadurch, dass der in Stufen gesteigerte Erregerstrom jeweils gewendet (kommutiert) wird.

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6.3 Die magnetischen Feldgrößen an Grenzflächen

Magnetfelder, die sich vollständig in Räumen ausbilden, die homogen mit magn. nicht neutraler Materie r ≠ 1) ausgefüllt sind, findet man in der Praxis recht selten. Dagegen treten sehr häufig solche mit inhomogener Materieverteilung auf, und zwar meistens derart, dass das magn. Feld gewollt oder ungewollt teilweise durch ferromagn. Stoffe (Eisen) und teilweise durch magn. neutrale Stoffe (Luft, Isolierstoffe) verläuft. Es ist daher von Bedeutung, das Verhalten des Feldes an Grenzflächen verschiedener Permeabilität genauer zu untersuchen, zumal das magn. Feld in den meisten Fällen über den Durchflutungssatz berechnet wird, was allerdings nur möglich ist, wenn der qualitative Feldverlauf bekannt ist.


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6.4 Die praktische Berechnung des magn. Feldes in inhomogenen Räumen mit ferromagnetischer Materie

In inhomogenen Räumen lässt sich das magn. Feld nicht mehr mit Hilfe des Biot-Savart’schen Gesetzes allein nur aus den äußeren Durchflutungen bestimmen. Mit dem Durchflutungssatz kann nur die Durchflutung bei bekanntem Feldverlauf bestimmt werden und nicht umgekehrt bei gegebener Durchflutung der Feldverlauf. Diese Einschränkung erweist sich aber für die Mehrzahl der praktischen Aufgabenstellungen als relativ bedeutungslos, da hier magn. Kreise behandelt werden, die sich durch folgende Merkmale auszeichnen:

a) Der magn. Kreis besteht in der überwiegenden Länge aus Eisen und über eine relativ geringe Länge aus magn. neutralem Material (meist Luft).
b) Infolge der hohen Permeabilität des Eisens gegenüber der von magn. neutralen Stoffen kann für die Berechnung der Durchflutung mit genügender Genauigkeit angenommen werden, dass in den Eisenwegen der gleiche magn. Fluss auftritt wie in den mit den Eisenwegen sozusagen in Reihe geschalteten magn. neutralen Bereichen, d.h., es wird angenommen, dass in Luftstrecken parallel zu Eisenwegen kein Fluss auftritt. Selbstverständlich kann diese Annahme nicht ohne weiteres auf andere Problemstellungen übertragen werden, da der mag. Fluss in den Lufträumen parallel zu Eisenwegen bei höherer Eisensättigung tatsächlich nicht null ist und z.B. für die Beurteilung der Streuwirkung nicht vernachlässigt werden darf.
c) Die Bereiche des magn. neutralen Stoffes werden durch definierte Grenzflächen (Polflächen) begrenzt, die relativ zu ihrer Flächenausdehnung einen geringen Abstand haben. Deshalb kann angenommen werden, dass sich zwischen den Polflächen ein homogenes Feld der Induktion ausbildet, deren Betrag gleich ist dem Quotienten Fluss durch Polfläche.

Mit diesen Annahmen empfiehlt sich folgender Rechnungsgang:

1. Der gegebene magn. Kreis wird in Bereiche gleicher Querschnitte und Materialien unterteilt, wie z.B. in Bild 6.4/1 dargestellt, für die die Länge li und der Querschnitt Ai festgelegt werden. Sind für die Bereiche magn. neutralen Materials die Längen nicht mehr klein gegenüber den Querschnittsabmessungen, so muss deren Querschnitt größer angenommen werden als die Polfläche des angrenzenden Eisens, da sich das Feld nach außen ausdehnt (Bild 6.4/2). Vergrößerungsfaktoren können der einschlägigen Literatur entnommen werden.
2. Es wird ein bestimmter Fluss Φ angenommen, der infolge seiner Quellenfreiheit vollständig alle Querschnitte durchsetzt. Indem man Φ durch den jeweiligen Querschnitt Ai dividiert, ergibt sich für jeden Abschnitt die Induktion Bi = Φ/Ai.
3. Für magnetisch neutrale Bereiche ergibt sich die magn. Erregung nach der Beziehung Hi = Bi0 und für die ferromagnetischen, indem zu Bi aus der für dieses Material gültigen Magnetisierungskennlinie Hi (z.B. Bild 6.2/7) abgelesen wird.
4. Für jeden Bereich wird die magn. Spannung als Produkt aus Länge li und Hi ermittelt (Vi = li · Hi).
5. Die Summe aller magn. Spannungen in dem geschlossenen Kreis ist gleich der Durchflutung dieses Kreises Θ = Σ Vi (siehe Gl.(5.3.1/4), (5.3.1.1/1) und (5.3.1.1/3)).
6. Wird die Durchflutung von einer stromdurchflossenen Spule der Windungszahl n bewirkt, ergibt sich der Strom I in der Spule zu I = Θ/n.
7. Soll für eine gegebene Durchflutung Θ der durch sie erregte Fluss bestimmt werden, gibt es 2 Lösungsmöglichkeiten.
7.1 Es werden nacheinander verschiedene Φ-Werte angenommen und für diese jeweils die zugehörigen Durchflutungen bzw. Ströme berechnet. Dann wird Φ über Θ bzw. I aufgetragen, d.h. die Magnetisierungskennlinie des Kreises dargestellt, und für den gegebenen Θ-Wert der zugehörige Fluss Φ abgelesen.
7.2 Es wird nach dem Iterationsprinzip vorgegangen, d.h., mit einem korrigierten Φ-Wert erneut die Durchflutung berechnet, bis sie mit der gegebenen übereinstimmt.

Beispiel 6.4/1:

Berechnen Sie die Größe und die Richtung des Flusses Φ.
Θ2 > ( Θ1 + Θ3 )

Beispiel 6.4/2:

Die Kennlinie Φ = f(Ve) des skizzierten Eisenkreises in Bild 6.4/6 sei bekannt und durch das Diagramm in Bild 6.4/7 gegeben.
a) Zeichnen Sie die Kennlinie des Kreises nach Einfügen eines Luftspaltes von 0,5 mm.
b) Stellen Sie die remanente Induktion Br als Funktion der Luftspaltlänge dar.
c) Ermitteln Sie für den Eisenkern bei Aufmagnetisierung längs der Neukurve μr = f(H), und stellen Sie diesen Verlauf grafisch dar.

Beispiel 6.4/3:

Gegeben ist der in Bild 6.4/12 skizzierte Eisenkreis mit Luftspalt (l = 2 mm). Er enthält einen Dauermagneten der Länge L = 3 cm, dessen magn. Eigenschaften (Br = 0,55 Vsec/m2, Hc = -6,5·104 A/m) durch eine lineare Entmagnetisierungskennlinie angenähert werden (Bild 6.4/13).
a) Berechnen Sie die Induktion B im Luftspalt als Funktion der Luftspaltlänge l, der Länge L des Dauermagneten und der Kenngrößen Br und Hc.
b) Der Magnetkreis in Bild 6.4/12 soll unter Beibehaltung der Luftspaltlänge l konstruktiv abgeändert werden:
b1) Die Länge L des Dauermagneten wird verändert; der Querschnitt A bleibt überall konstant.
b2) Der Querschnitt A wird verändert; L bleibt konstant.
b3) L wird verändert; jedoch soll das Volumen Ve des Dauermagneten und das Volumen Vl des Luftspaltes konstant bleiben.

Berechnen Sie und stellen Sie grafisch die Abhängigkeit der Induktion im Luftspalt von der variablen Größe für die drei Fälle dar.


Beispiel 6.4/4:

Durch die Spule (n = 500) des darstellten magn. Kreises fließt ein Strom I = 1 A.
(a= 20 cm, b = 15 cm, c = 0,5 mm, A = 10 cm2)
a) Berechnen Sie die magn. Erregung im Luftspalt und in den drei Eisenschenkeln (Benutzen Sie die skizzierte Magnetisierungskurve in Bild 6.4/20).
b) Wie groß ist die Induktivität der Spule?

    Bild 6.4/20

 


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©2000-2001  Jan Knickmeier & Timo Eich
©2002  Überarbeitet von Markus Mattern