8 Energie und Kraft im magnetischen Feld
  
8.1 Die Energie des magnetischen Feldes
8.2 Kraftwirkungen auf Grenzflächen




8. Energie und Kraft im magnetischen Feld

8.1 Die Energie des magn. Feldes

Die in einem magn. Feld gespeicherte Energie wird zweckmäßigerweise nach dem Energieerhaltungssatz aus der elektr. Energie bestimmt, die über den das Feld erregenden Strom zugeführt wird. Dazu wird der in Bild 8.1/1 dargestellte Ringeisenkern betrachtet, dessen n Windungen an eine Gleichspannung U angeschlossen werden, sodass in ihnen der Strom i (von i = 0 ansteigend) fließt. Der ansteigende Strom i erregt nach 7.1.1 eine ansteigende Induktion (i) und dadurch die Selbstinduktionsspannung ui = -uL. Der Flächenvektor des Eisenkerns wird in Richtung angenommen.

Steigt der Strom von i = 0 bis i = Imax an, so steigt auch das Feld von B = H = 0 bis B = Bmax und H = Hmax = Bmax an; die Energiedichte in einem Feld der Induktion B ergibt sich daher als Integral in den Grenzen B = 0 und B = Bmax.

Die Beziehung (8.1/5) ist in vielen Fällen auch geeignet, die Induktivität einer Anordnung aus der Energie zu berechnen (siehe Beispiel 8.1/1). Gl.(8.1/5), die den Energieinhalt eines Feldes von der Induktivität L beim Fließen des Erregerstromes I angibt, hat große Ähnlichkeit mit dem Ausdruck für die kinetische Energie ½ m·v2 der Mechanik. Die Selbstinduktivität L verhält sich wie die Masse m. In ihr kommt zum Ausdruck, dass das magn. Feld träge ist, daher Zeit zu seinem Aufbau braucht, während dessen die selbstinduktive Spannung herrscht. Die Größe der Induktivität ist also mit maßgebend dafür, wie schnell der Strom seinen stationären Wert erreicht.

· d nach Gl.(8.1/2) wird durch die schraffierte Fläche in Bild 8.1/2 dargestellt. Die Fläche entspricht also der Feldenergie je Volumeneinheit (Energiedichte). Ist nun μ = konst. (Bild 8.1/2), so wird bei Verringerung der magn. Erregung (H 0) die gesamte Energie wieder frei. Sie wird als uL·i·dt aus dem magn. Feld dem elektr. Kreis wieder zurückgeliefert. Die Induktivität wirkt in diesem Zeitabschnitt als Generator. Tritt jedoch die Hystereseerscheinung auf (Ferromagnetika, m konst.), so wird nur ein Teil der Energie frei (Bild 8.1/3). Betrachten wir eine Magnetisierung von H = 0 (-B1) bis H = H2 (B2), so wird als Arbeit die blau schraffierte Fläche aufgewendet. Bei der Rückwärtsmagnetisierung bis H = 0 wird dann eine Arbeit der grün schraffierten Fläche wiedergewonnen. Es entsteht also bei der vollständigen Ummagnetisierung ein Hystereseverlust (Ausrichten der Weiß’schen Bezirke) entsprechend der ganzen Hystereseschleife (Bild 8.1/4). Hiervon geht die Berechnung der Hystereseverluste bei allen Ummagnetisierungen aus.
Besonders wichtig sind diese dort, wo die Ummagnetisierung fortgesetzt wiederholt wird, also z.B. bei Rotationen von Eisenkörpern im Feld oder bei Eisen in Wechselfeldern. Hier ist der Gesamtverlust gleich der Anzahl der Ummagnetisierungen multipliziert mit dem Hystereseverlust einer Ummagnetisierung.

Beispiel 8.1/1:

Berechnen Sie die Induktivität eines Koaxialkabels (Bild 8.1/5) unter Berücksichtigung des Innenleiters und des Mantels. Die Koaxialleitung ist aus Kupfer gefertigt, um den ohmschen Widerstand gering zu halten.


Beispiel 8.1/2:

In dem skizzierten Stromkreis des Bildes 8.1/6 fließt bei geöffnetem Schalter der Strom I. Zur Zeit t = 0 wird der Schalter geschlossen. Berechnen Sie die Wärmeenergie, die im Widerstand R insgesamt während der Zeit 0 t entsteht.


Beispiel 8.1/3:

Vergleichen Sie die Energiedichte eines starken homogenen Magnetfeldes (B = 1,5 Vsec/m2 im Luftspalt eines Elektromagneten) mit der im elektr. Feld eines Plattenkondensators (E = 30 kV/cm, Durchbruchsfeldstärke in Luft).


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8.2 Kraftwirkungen auf Grenzflächen

Außer den Kraftwirkungen auf stromdurchflossene Leiter lassen sich auch solche auf Grenzflächen zwischen Stoffen unterschiedlicher Permeabilität beobachten. Diese Kraftwirkungen sind unabhängig vom Feldverlauf immer senkrecht zu Grenzflächen gerichtet, sodass sie das Volumen des Stoffes mit der kleineren Permeabilität zu verkleinern versuchen (Bild 8.2/1 und 8.2/2).
Die Feldlinien haben das Bestreben, sich zu verkürzen. Sie unterliegen also einem Längszug (Bild 8.2/3 und Bild 8.2/4). Die Feldlinien haben außerdem das Bestreben, sich möglichst weit voneinander zu entfernen. Sie erzeugen also untereinander einen Querdruck (Bild 8.2/5 und 8.2/6). Die Kraft ist so gerichtet, dass der magn. Widerstand möglichst klein, bei gegebenen Strom daher der Fluss, d.h. die Induktivität L = F/I, möglichst groß wird (Bild 8.2/3).
Die Ableitung solcher Kraftwirkungen (z.B. Eisenkörper wird in ein Magnetfeld hineingezogen) aus den mikrokosmischen Ladungsbewegungen würde zu äußerst aufwändigen Rechenverfahren führen. Dagegen können über die Betrachtung der Feldenergie auch für solche Aufgabenstellungen relativ einfache Berechnungsmethoden angegeben werden. Betrachtet wird eine Anordnung entsprechend Bild 8.2/7, bei der ein magn. leitender Rückschluss vor einem U-förmigen Magneten im Abstand s gelagert ist. In dem so gebildeten Luftspalt herrsche ein magn. Feld der Induktion , wobei es unerheblich ist, ob dieses Feld von einem Naturmagneten oder von einer stromdurchflossenen Spule erregt wird. Ist die Luftspaltlänge s klein gegenüber den Abmessungen des Luftspaltquerschnitts, so kann angenommen werden, dass sich das Feld im Luftspalt homogen über den Querschnitt ausbreitet und die Randverzerrungen vernachlässigbar sind.
Wird nun eine virtuelle Änderung der Luftspaltlänge s um -ds angenommen, so wird sich unter der Voraussetzung, dass B konstant bleibt (der Erregerstrom für den Fluss soll bei der Verschiebung so nachgeregelt werden, dass sich der Fluss nicht ändert), die Feldenergie entsprechend der Volumenänderung dV = -A·ds um dWmag ändern.
Verlustfreiheit vorausgesetzt, muss nach dem Energieerhaltungssatz dieser Feldenergie eine gleich große mechanische Energie dWmech entsprechen, die von der Kraft aufgebracht wird, die auf die das Volumen begrenzenden Flächen wirkt und die damit um einen Weg ds verschoben wird, der gleich ist dem das Feldvolumen verändernden.
Selbstverständlich wirkt die über die Energiebeziehung berechnete Kraft immer in der Geraden, die durch die angenommene Verschiebung d bestimmt ist, d.h., unter bestimmten Umständen wird mit (8.2/2) nur die Komponente der primär immer senkrecht an den Grenzflächen angreifenden Kräfte berechnet, die parallel zu d liegt.
Wird z.B. bei einem Hubmagneten mit schräg gestellten Polflächen (Bild 8.2/8) die Feldenergie des Luftspaltes nach d abgeleitet (||d), so stellt dieser Ausdruck auch die Kraft in der s-Richtung dar. Diese Kraft ist allerdings eine Komponente der senkrecht an den Polflächen angreifenden Feldkräfte F.

Beispiel 8.2/1:

Weisen Sie nach, dass sich Gl.(8.2/2) auch unter der Annahme ergibt, dass bei einer Änderung der Luftspaltlänge s um ds (Bild 8.2/7) nicht B, sondern I konstant bleibt.


Beispiel 8.2/2:

Gegeben ist der Eisenkreis des Beispiels 6.4/2 mit einem Luftspalt von lL = 0,5 mm. Die Streuung im Luftspalt soll vernachlässigt werden.
Konstruieren Sie die Kennlinie F = f(Θ).

Beispiel 8.2/3:

Eine Relaiswicklung wird mit einem sinusförmigen Strom i = î·sin(wt) erregt. Die Funktion B = f(H) soll durch eine Gerade durch den Nullpunkt angenähert werden.
Berechnen Sie die Kraft F, wenn
a) das Eisen keine Vormagnetisierung besitzt,
b) der magn. Kreis vormagnetisiert wird.

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©2002  Überarbeitet von Markus Mattern