9 Die Maxwell'schen Gleichungen (Zusammenfassung)
  
9.1 Klassifikation der Felder
9.2 Analogiebetrachtungen



9. Die Maxwell'schen Gleichungen (Zusammenfassung)

Bei der qualitativen und quantitativen Beschreibung physikalischer Zusammenhänge empfiehlt es sich stets, von der einfachsten Modellvorstellung, d.h. der mit kleinstmöglichem Gültigkeitsbereich, auszugehen und diese nach den Erfordernissen schrittweise zu erweitern.
Vergleicht man die für die Teilgebiete Elektrostatik, Strömungsfeld und stationäres Magnetfeld formulierten Feldgleichungen untereinander und mit denen des allgemeinen, zeitlich veränderlichen, elektromagn. Feldes, so erkennt man, dass
a) die verschiedenen Feldtypen nicht unabhängig voneinander auftreten, sondern miteinander gekoppelt sind (ausgenommen das elektrostatische Feld ruhender Ladungen, das auch isoliert auftreten kann),
b) die den jeweiligen Feldtyp mathematisch beschreibenden Gleichungen entweder in allgemeiner, d.h. übergeordnet, gültigen Gleichungen als einfacher Sonderfall enthalten sind oder aber, dass sie als fundamentale Gleichungen ganz allgemein gelten.
Alle elektromagnetischen Erscheinungen können durch eine in sich geschlossene Theorie vollständig beschrieben werden. Eine solche geschlossene Darstellung bietet die Elektrodynamik, die heute einen weitgehend selbstständigen Zweig der Physik bildet. Sie ist in ihrer klassischen Form, der sog. Maxwell´schen Theorie, eine die elektromagnetischen Vorgänge makroskopisch beschreibende Feldtheorie, deren mathematischer Ausdruck die Maxwell´schen Gleichungen sind, die aus der Naturbeobachtung hergeleitet sind und durch vielfache praktische Anwendungen als erwiesen gelten dürfen.
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9.1 Klassifikation der Felder

Für die behandelten Feldtypen gelten z.T. vereinfachte Grundgleichungen, die als Sonderfälle in den allgemeingültigen Gleichungen enthalten sind. Aus der Beschreibung der charakteristischen Eigenschaften dieser Feldtypen über Maxwellgleichungen (1 bis 5) ergibt sich gleichzeitig eine gewisse Klassifikation der Felder:
1) Das elektrostatische Feld ist ein rein elektr. Feld. Es wird von zueinander und relativ zum Bezugssystem ruhenden Ladungen erregt, d.h., es treten keine zeitlichen Änderungen der Feldgrößen auf, und es fließen keine Ströme.
2) Das magnetostatische Feld ist ein rein magn. Feld. Es wird von ruhenden Naturmagneten erregt, d.h., es treten keine zeitlichen Änderungen der Feldgrößen auf, und es fließen (bei makroskopischer Betrachtungsweise) keine Ströme.
3) In stationären Feldern treten keine zeitlichen Änderungen der Feldgrößen, also auch keine induzierten Spannungen, auf. In ihnen können jedoch stationäre Ströme (Gleichströme) fließen, die ein Magnetfeld erregen, d.h., es treten immer elektr. Strömungsfelder und magn. Felder gleichzeitig auf.
4) Langsam veränderliche (quasistationäre) Felder sind gekennzeichnet durch zeitlich veränderliche Feldgrößen; es treten induzierte Spannungen auf, und es fließen zeitlich veränderliche Ströme. Die Änderungsgeschwindigkeit der Feldgrößen ist jedoch noch so gering, dass keine elektromagn. Wellen auftreten, d.h., die Verschiebungsstromdichte d/dt ist vernachlässigbar klein.
5) In schnell veränderlichen Feldern ist das vollständige System der Maxwellgleichungen anzuwenden.



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©2000-2001  Jan Knickmeier & Timo Eich
©2002  Überarbeitet von Markus Mattern