Drucktechnik

Die Drucktechnik wurde in Ostasien entwickelt. In China schnitt man

  "seit dem Jahr 175 unserer Zeitrechnung über acht Jahre hinweg die Hauptwerke der klassischen chinesischen Literatur in Steinplatten. Davon wurden Tausende Kopien in Form von Abklatschen hergestellt: Man drückte befeuchtetes Papier so auf die Inschriftensteine, daß beim Bürsten des Papiers mit Tusche die eingeschnittenen Schriftzeichen sich weiß vom sonst geschwärzten Papier abhoben. Die nächste Stufe erreichte man mit dem sogenannten Holztafeldruck im 7. Jahrhundert: Jedes Zeichen wurde seitenverkehrt in einen Holzstock geschnitten, indem man alles umgebende Holz entfernte. So entstanden erhabene Linien, die entsprechend eingefärbt und auf Papier abgerieben, in positiver Gestalt den gewünschten Text abfärbten" (Gutenberg 2000b).  

Schon um das Jahr 1040 herum experimentierte ein Chinese namens Bi Sheng

  "mit beweglichen, einzeln hergestellten Druckstempeln aus Keramik. Er ordnete sie auf einer Eisenform zu ganzen Texten an und fixierte sie mit einer Schicht Wachs und Harz. Dann wurde gedruckt. Wollte man die Zeichen erneut verwenden, erhitzte man die Eisenplatte, bis schmelzendes Wachs und Harz die Formen wieder freigaben. [...] Aber das Drucken mit beweglichen Lettern hat sich in China bis zum Ausgang des letzten Jahrhunderts nie wirklich durchsetzen können. Der Grund lag auf der Hand: Das traditionelle Drucken mit ganzen Holzplatten erforderte zwar enormen Stapelplatz, aber die Abertausende chinesischer Schriftzeichen verhinderten eine einfache und vor allem schnelle Zusammenstellung von Druckplatten aus beweglichen Lettern" (Gutenberg 2000b).  

Bücher wurden in Europa während des gesamten Mittelalters von Mönchen in mühevoller Handarbeit vervielfältigt und lagen demzufolge nur in geringen Stückzahlen vor. Ein ganz entscheidender historischer Einschnitt in der Mediengeschichte stellt deshalb die Revolutionierung des Buchdrucks durch Gutenberg im Jahr 1455 dar. Man kann dieses Jahr als den Beginn der Neuzeit bezeichnen, denn erst die Einführung beweglicher Bleilettern durch Gutenberg machte eine preiswerte Herstellung von Büchern und losen Blättern möglich (vgl. Weischenberg / Hienzsch, S. 459).

  "Grundgedanke der Erfindung Gutenbergs war die Zerlegung des Textes in alle Einzelelemente wie Klein- und Großbuchstaben, Satzzeichen, Ligaturen und Abkürzungen, wie sie aus der Tradition der mittelalterlichen Schreiber allgemein üblich waren. [...] Das Handgießinstrument, der bedeutendste Teil der Erfindung, ermöglichte es, im schnellen Wechsel die jeweils benötigten Mengen an unterschiedlichsten Lettern zu gießen. [...] Die Druckerpresse, die gegenüber dem bis dahin bekannten Reiberdruck eine enorme Beschleunigung des Druckvorgangs bewirkte, war eine Spindelpresse mit spezieller Ausrüstung für die effektive und gleichmäßige Übertragung des Druckbildes von der Form auf das Papier oder auch das Pergament" (Gutenberg 2000a).  

Innerhalb weniger Jahrzehnte sollte sich damit der zweite wichtige Medienwandel vollziehen, denn von nun an dominierte die Typografie über die Chirografie. Vergessen werden darf dabei aber nicht, dass die Expansion des Buchdrucks überhaupt nur durch das Vorhandensein eines preiswerten bedruckbaren Werkstoffes, des Papiers, möglich wurde. Wie Dokumente aus dem Jahr 105 n. Chr. beweisen, erfanden die Chinesen das Papier. Die Kunst des Papiermachens gelangte von China über Zentralasien und Arabien nach Europa. In Italien wurde ab dem Jahr 1276 und in Deutschland ab dem Jahr 1389 Papier gefertigt (vgl. dtv-Brockhaus-Lexikon, Bd. 13, S. 321).

Auch wenn zu Beginn des 16. Jahrhunderts nur ein relativ kleiner Teil der Bevölkerung lesen konnte, darf der Einfluss von gedruckten Flugschriften während der Reformationszeit nicht unterschätzt werden, da die frühe Anhängerschaft Luthers nicht nur in Wittenberg, sondern auch in den gebildeten Kreisen der reichen Kaufmannsstädte wie Augsburg und Nürnberg zu finden war (vgl. Wilke, S. 60 ff.). Während im gesamten Mittelalter Medien vorwiegend kirchlichen Zwecken dienten, wandelten sich diese mit Beginn der Neuzeit in profane Kommunikationsmedien. Die ersten deutschen Wochenzeitungen erschienen 1609 in Wolfenbüttel und Straßburg (vgl. Weischenberg / Hienzsch, S. 460 ff.). Die erste Tageszeitung "wurde im Jahre 1660 in Leipzig gedruckt und erschien sechsmal wöchentlich" (Schaffrath, S. 436). In Großbritannien wurden ab 1814 durch den Einsatz des Rotationsdrucks die Zeitungsauflagen beachtlich gesteigert und damit der Preis für das einzelne Zeitungsexemplar verringert ("Penny Press") (vgl. Weischenberg / Hienzsch, S. 460 ff.).

Der Druck mit der Bleisatzform im Stile Gutenbergs ist ein Verfahren des direkten Hochdrucks. Vom Hochdruck zu unterscheiden sind der Tief- und der Flachdruck. Beim Tiefdruck nehmen nicht wie beim Hochdruck die erhabenen Teile die Druckfarbe auf, sondern Vertiefungen, die "Näpfchen" genannt werden. Beim Ätztiefdruck sind diese Näpfchen lediglich zwischen 2 und 40 Mikrometer tief. Nach der Druckfarbenzugabe muss vor dem Drucken die Oberfläche des Druckzylinders von überflüssiger Farbe befreit werden. Dies geschieht durch ein Stahlband, das Rakel genannt wird. Deshalb wird bei diesem Verfahren, das unabhängig voneinander in der Zeit um 1894 von Klietsch und Reich entwickelt wurde, auch vom Rakeltiefdruck gesprochen (vgl. Baufeldt, S. 263 f.).

Der Flachdruck hat seinen historischen Ursprung in der Lithografie. Dieses Steindruckverfahren wurde Ende des 18. Jahrhunderts von Senefelder entwickelt und macht sich die wasserabstoßende Eigenschaft von lipophilen Stoffen zunutze. Senefelder präparierte eine völlig plane Kalkschieferplatte, indem er die gewünschten Motive seitenverkehrt mit fetthaltiger Kreide auf den Stein auftrug, die Platte anschließend mit Wasser befeuchtete und fetthaltige Farbe aufbrachte. Die Farbe blieb nur im Bereich der gewünschten Motive haften, sodass davon leicht ein Abzug auf Papier hergestellt werden konnte. Ab 1834 ersetzte man die schweren Steinplatten durch leichte Zinkplatten. 1846/47 kam es zur Erfindung des Offsetdruckes, bei dem dünne Metallplatten gebogen und dann auf einen Zylinder aufgespannt werden (vgl. Gutenberg 2000c). Heute wird mit Aluminiumblech, auf das eine lichtempfindliche Fotopolymerschicht aufgebracht ist, gearbeitet (vgl. Baufeldt, S. 323).

Beim Drucken wird nicht mit dem RGB-Farbmodell (additive Farbmischung mit den Grundfarben Rot, Grün, Blau), sondern mit dem CMY-Farbmodell (subtraktive Farbmischung mit den Grundfarben Cyan, Magenta und Gelb) gearbeitet. Häufig wird durch Zufügung von Schwarz das CMY-Farbmodell zum CMYK-Farbmodell erweitert.

Die drucktechnische Wiedergabe von Schwarz-Weiß-Fotografien gelang mit der Einführung der Rastertechnik im Jahr 1880 in New York (vgl. Monaco, S. 460). Bei der Rastertechnik wird zur Erzeugung unterschiedlicher Grautöne (Tonstufen) ein geometrisches Punktmuster erzeugt, indem bei konstantem Druckpunktabstand (Rasterweite) die Druckpunktgröße variiert wird. Sollen Farbfotografien gedruckt werden, so sind zur Vermeidung von Moiré-Mustern und zur Verbesserung der Farbmischung die Rasterlineaturen der einzelnen Druckfarben in bestimmten Winkeln anzuordnen. Auf das Bildformat bezogen heisst dies, dass beim CMYK-Farbmodell Gelb auf 0°, Magenta auf 15°, Cyan auf 75° und Schwarz auf 45° gelegt wird (vgl. Baufeldt, S. 200).

Neuentwicklungen in der Satztechnologie, wie z. B. die Setzmaschine vom Typ "Linotype", steigerten am Ende des 19. Jahrhunderts nicht nur die Produktivität, sondern verkürzten beim Zeitungsdruck auch die Zeit zwischen journalistischer Verarbeitung eines Ereignisses und dessen Publizierung. Der Kern dieser Erfindung Mergenthalers aus dem Jahr 1886 waren zum einen das maschinelle Setzen von Matrizen, wodurch der im Hochdruck seit Gutenberg praktizierte Handsatz abgelöst werden konnte, und zum anderen der Guß ganzer Zeilen (vgl. Baufeldt, S. 117). Die erste zur Serienreife gediehene, lochkartengesteuerte Fotosatzapparatur wurde 1930 von Uher entwickelt. Fotosetzmaschinen lieferten einen Schriftsatz, bei dem die Schriftzeichen nicht wie im Bleisatz als körperliche Buchstaben aneinandergereiht, sondern als fotografische Negativabbildung nacheinander auf Film oder Fotopapier übertragen wurden. Ab 1965 begann der von Hell entwickelte computergesteuerte fotoelektronische Lichtsatz die herkömmlichen Satztechniken in den Textdruckereien zu verdrängen. Der Text wurde zunächst mit Hilfe eines Computers gesetzt. Nach Gestaltung und Speicherung der Seite konnte diese dann komplett auf fotografisch empfindlichem Papier abgebildet und aus diesem eine Druckvorlage erstellt werden (vgl. Rehm).

Auch außerhalb des Druckerei- und Zeitungssektors bestand Bedarf nach effektiven mechanischen Schreibverfahren. Obwohl Mill schon 1714 eine mechanische Schreibmaschine zum Patent angemeldet hatte, konnte erst ab den Jahren 1873/74 ein von Sholes entwickeltes Modell durch die Firma Remington als brauchbares Serienprodukt hergestellt werden (vgl. dtv-Brockhaus-Lexikon, Bd. 16, S. 189). Das von Cahill 1901 produzierte Modell einer elektrischen Schreibmaschine setzte sich nicht auf dem Markt durch, sodass es der Firma IBM vorbehalten blieb, 1941 eine elektrische Schreibmaschine mit Proportionalschrift herauszubringen. Ab 1961 fertigte IBM Schreibmaschinenmodelle mit Kugelkopf anstelle der Typenhebel. Elektrische Schreibmaschinen lösten in Deutschland aus Kostengründen nur langsam die mechanischen Modelle ab. Die ab 1978 erhältlichen elektronischen Schreibmaschinen erlangten keine Bedeutung mehr, denn im selben Jahr kam das erste große Textverarbeitungssystem für Personal Computer ("Wordstar") auf den Markt (vgl. Rehm). Da Textverarbeitungssysteme Drucker zur Textausgabe nutzen, sind Schreibmaschinen inzwischen fast vollständig aus den Büros verschwunden. Im Gegensatz zu den konventionellen Druckverfahren (Hoch-, Flach-, Tief-, Siebdruck), die alle eine Druckform nutzen, verwenden diese Drucker keine feste Druckform. Zunächst waren Nadeldrucker weit verbreitet, bei denen die festen Typen der Schreibmaschine durch ein matrixförmig angeordnetes Nadelfeld im Druckkopf ersetzt sind. Zur Übertragung eines bestimmten Zeichens auf das Papier schlagen elektronisch gesteuert die jeweils benötigten Nadeln auf das zwischen Papier und Druckkopf befindliche Farbband. Dieses Druckverfahren wird als Impact-Druckverfahren bezeichnet. Die Nadeldrucker wurden inzwischen fast vollständig wegen hohem Geräuschpegel und geringer Auflösung durch Laser- und Tintenstrahldrucker ersetzt. Weil Toner oder Tinten bei diesen Druckertypen anschlagslos auf das Papier übertragen werden, bezeichnet man diese Druckprinzipien als Non-Impact-Druckverfahren (vgl. Kipphan). Das beim Laserdrucker verwendete elektrostatische Prinzip findet schon seit Jahrzehnten Anwendung in der vom Amerikaner Carlson im Jahr 1938 entwickelten Xerographie1. Ab 1950 fand dieses elektrostatische Fotokopierverfahren in der Serienherstellung von Fotokopiergeräten Einsatz, sodass tagtäglich millionenfach Papierdokumente vervielfältigt werden können (vgl. Xerox).

Da in der heutigen Zeit jeder Personal Computer über eine enorme Prozessorleistung verfügt, kann nach Installation entsprechender Software die Gestaltung von Seiten am Büroarbeitsplatz per Desktop Publishing (DTP) vorgenommen werden. Immer häufiger werden Printmedien, wie z. B. Kataloge, aus Kostengründen durch CD-ROM2 oder Internet-Informationsangebote ersetzt. Dieser Wandel innerhalb der Drucktechnik zeigt den dritten epochalen Einschnitt in der Mediengeschichte auf. Die Dominanz der elektronischen Informationsvermittlung könnte langfristig dazu führen, dass die klassischen Printmedien ihre Bedeutung verlieren.

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