1. EINLEITUNG
1.1 Was ist Moderation?Vereinbarung einer bestimmten Geisteshaltung ("Philosophie"),
Einsatz bestimmter methodischer Schritte ("Software") und
Verwendung bestimmter Arbeits- und Hilfsmittel ("Hardware")
Die Moderations-Methode dient Personengruppen verschiedenster Größe und
Zusammensetzung als zentrales Kommunikationsmittel zum
* Finden von Problemlösungen,
* Treffen von Entscheidungen und
* Planen von Aktivitäten.
Der Moderator (normalerweise arbeitet man mit 2 Moderatoren) hat dabei die Aufgabe, Gruppengespräche methodisch zu leiten, ohne sich dabei inhaltlich zu beteiligen und die Willensbildung der Gruppe zu beeinflussen. Seine Funktion ist es, für eine effektive Gestaltung von Gruppenkommunikation zu sorgen und die Gruppe zu ihrer optimalen (geistigen) Leistung zu führen.
1.2 Erfindung
und Entwicklung der Moderations-Methode
Etwa 1975 fing es mit der Moderations-Methode an, in einer Zeit, in der
Studentenunruhen und Protestbewegungen die Gesellschaft aus ihrem Dornröschenschlaf
gerissen hatten. In vielen Bereichen, in Hochschulen und Betrieben, in Kirchen und
Kommunen wurden die Verhältnisse nicht mehr so hingenommen, wie sie waren. Überall
wurden Forderungen nach mehr Beteiligung an Entscheidungsprozessen, nach mehr Orientierung
an den Wünschen und Bedürfnissen der Betroffenen hörbar.
Die Lautstärke der Forderungen konnte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es kaum
Methoden gab, um die Vorstellungen von mehr Beteiligung zu erfüllen. Ob in Teach-Ins und
Betriebsversammlungen, ob in Diskussionszirkeln oder Ausschüssen - allenthalben wurde
erkennbar, dass es an Formen fehlte, in die ein neues Bewusstsein gegossen werden konnte.
Warum die alten Methoden nicht mehr funktionierten, war einfach zu verstehen, aber schwer
zu ändern. Die gewohnten Gesprächsstrukturen gingen immer davon aus, dass es einen
Leiter (Lehrer, Diskussionsleiter usw.) geben musste, der alles besser wusste als die
anderen und deshalb sagte, wo es lang ging. Genau das aber widersprach den Wünschen nach
Beteiligung und individueller Mitsprache.
Aber diese Erfahrungen beschränkten sich nicht auf die mehr oder weniger politischen
Bewegungen. Die sechziger Jahre hatten ein neues Verständnis von der Planbarkeit sozialer
Prozesse gebracht. Planungsstäbe und Unternehmensberatungen schossen aus dem Boden,
machten umfangreiche Untersuchungen und fertigten dickleibige Gutachten an, die in den
Schreibtischschubladen der Auftraggeber verschwanden - und alles blieb beim alten.
"Beim alten" doch nicht ganz, denn unter den Betroffenen machten sich Unruhe und
Ärger breit: Hatte man dafür so viel Zeit und Mühe für Analysen und Untersuchungen
aufgewendet, Hoffnungen geweckt und Engagement erzeugt, dass nun nichts passierte?

Es war nicht immer böser Wille oder Angst vor Veränderungen, dass nichts passierte.
Vielmehr fehlte es auch an Methoden, Bedürfnisse und Wünsche adäquat zu erfassen und
Betroffene an Umsetzungsprozessen zu beteiligen. Das "Quickborner Team" war
damals eine der Unternehmensberatungen, die solche Erfahrungen gemacht hatten. Einer
seiner Gründer, Eberhard Schnelle, kam deshalb auf den Gedanken, Entscheider auf ihre
neuen Aufgaben vorzubereiten. Es entstand das "Entscheidertraining", Vorstufe
der Moderations-Methode. Im Entscheidertraining wurden die Entscheider einerseits (meist
die Hierarchen) mit Betroffenen andererseits zusammengebracht und in die Lage versetzt,
gemeinsam kreative Lösungen zu finden.
Es folgten einige Jahre intensiver Kreativität, in der mit Methoden experimentiert wurde,
in der Erfahrungen (gute und schlechte) gemacht wurden und in der sich langsam das
herauskristallisierte, was wir heute "Moderations-Methode" nennen: eine Mischung
aus Planungs- und Visualisierungstechniken, aus Gruppendynamik und Gesprächsführung, aus
Sozialpsychologie, Soziologie, Betriebs- und Organisationslehre mit einem Verständnis von
sozialen und psychischen Prozessen, die sich an Erkenntnisse und Erfahrungen der
humanistischen Psychologie anlehnen.
Mehr und mehr rückten in der Folgezeit die Techniken in den Hintergrund, wurde die
Haltung des Moderators zu den Menschen und zu den Problemen der Angelpunkt der
Moderations-Methode. Im Gegensatz zum Lehrer, Trainer oder Vorgesetzten hat der Moderator
gewissermaßen eine Hebammenfunktion: Er hilft der Gruppe, sich selbst zu verstehen, ihre
Ziele und Wünsche zu formulieren, Lösungen zu erarbeiten und die Umsetzung
sicherzustellen. Die Moderationstechniken sind sein Handwerkszeug, während der
Moderationsprozess eher etwas mit künstlerischer Gestaltung zu tun hat: er verlangt
Intuition und Einfühlungsvermögen. Das Handwerkszeug dient ihm dazu, die Gruppe in die
Lage zu versetzen, sich ihren roten Faden selbst zu spinnen.
1973 war der Prozess des Erfindens und Experimentierens so weit gediehen, dass die ersten
Moderatoren-Trainings stattfinden konnten. 1980 erschien die erste (vorläufige)
Gesamtdarstellung der Moderations-Methode. (Karin Klebert, Einhard Schrader, Walter
Straub, Moderations-Methode, Gestaltung der Meinungs- und Willensbildung in Gruppen, die
miteinander lernen und leben, arbeiten und spielen, München, 1980). Zielgruppe dieses
Buchs waren Personen, die die Moderations-Methode in Trainings gelernt hatten und sie nun
in der Praxis anwenden wollten. Es enthält eine Zusammenstellung aller Einzelmethoden
aber auch eine Darstellung des Ablaufs eines gesamten Moderationsprozesses. Darunter
verstehen wir eine mehrtägige Veranstaltung, in der ein Bogen gespannt wird vom
Zusammenführen der Gruppe über die gemeinsame Problemverständigung, die
Problembearbeitung bis hin zur Erstellung eines Handlungskonzepts. Einen solchen gesamten
Prozess zu konzipieren und durchzuführen, bedarf nach unserer Erfahrung eines
gründlichen Ausbildungsprozesses und vieler Übung in der Praxis. Er lässt sich kaum
ausschließlich aus einem Buch erlernen.
Obwohl die Moderations-Methode nun seit 1980 bekannt und veröffentlicht ist, hat sie
ihren Einzug in Industrie- und Handelsunternehmen sowie in Verwaltungen erst einige Jahre
später begonnen. In vielen Bereichen ist sie auch heute noch völlig unbekannt oder
stößt zumindest bei den Hierarchen auf Skepsis. Erst im Rahmen eines neuen
Qualitätsdenkens und einer Übertragung von Selbstverantwortung auf alle
organisatorischen Ebenen hat die Methode in den 90er Jahren immer mehr an Bedeutung für
moderne Organisationen gewonnen, was sich in der sprunghaft gestiegenen Zahl von
Publikationen einerseits und Kursen und Schulungen andererseits zeigt.
1.3 Kurz-Moderation
In letzter Zeit wuchs nun das Interesse an der Moderations-Methode auch bei
solchen Personen, die nicht die Möglichkeit haben, an einem Moderatoren-Training
teilzunehmen und die auch nicht die Absicht haben, die Moderations-Methode im gesamten
Umfang einzusetzen. Es hat sich nämlich inzwischen herausgestellt, dass die
Moderations-Methode gut geeignet ist, einzelne Phasen in Besprechungen und in
Lernveranstaltungen besser zu gestalten. Wir sprechen in diesem Fall von
"Kurz-Moderation" und meinen damit, dass die Moderations-Methode in
herkömmliche Veranstaltungsformen eingefügt wird, um diese effektiver oder
abwechslungsreicher zu gestalten.
Für diesen Anwendungsbereich lohnt sich in der Regel keine drei- bis vierstufige
Moderatoren-Ausbildung, sie ist auch bei dem sporadischen Einsatz der Moderations-Methode
nicht zwingend erforderlich. Gleichwohl reicht es nicht, die Moderations-Methode irgendwo
einmal erlebt zu haben, um sie dann selbst einzusetzen.
1.4 Metaplan-Technik
Der Begriff Metaplan-Technik wird oft als Synonym für die Moderationsmethode
verwendet. Sie ist das Handwerkszeug um Menschen bei der Arbeit in Gruppen zu führen.
Gruppenarbeiten mit Metaplan-Technik sind vorüberlegt und stimulieren die Interaktion.
Der Moderator steuert ein Gesprächsziel an und beteiligt die Gruppe an der Ausarbeitung.
Er wendet sich mit Fragen an die Gruppe, die jeden einzelnen zum Nachdenken und
mitarbeiten bringen. Er lenkt die Aufmerksamkeit auf das Wichtige, gemeinsamer
Handlungswille entsteht.
Mit Packpapier bespannte Stecktafeln, verschiedene Karten und Filzstifte sind die
Hilfsmittel der Metaplan-Technik. Mit ihnen werden Sachverhalte und Diskussionsverläufe
vor aller Augen sichtbar dargestellt. Die Metaplan-Technik wird angewendet um Probleme zu
lösen, Erfahrungen auszutauschen, Pläne zu schmieden usw. Dazu werden Beiträge von
allen Teilnehmern gebraucht.