1. EINLEITUNG

1.1 Was ist Moderation?
Von der ursprünglichen Wortbedeutung ausgehend heißt Moderation so etwas wie "Mäßigung" oder "Maß halten" und ist schon seit dem Altertum bekannt. Die heutigen Assoziationen sind jedoch stärker vom Bild des "Fernseh-Moderators" geprägt, zu dessen Aufgaben es gehört, bei Rundfunk- und Fernsehsendungen "die Kommunikation entsprechend bestimmter Vorstellungen zu einem spannenden, kurzweiligen, informativen und unterhaltsamen Sendeganzen zu synthetisieren" (nach Troesser: Moderieren im Hörfunk, Tübingen 1986).
Im folgenden wird der Begriff "Moderation" in einem anderen Sinn gebraucht: Die Moderation, eigentlich besser die Moderations-Methode, stellt eine Form der Gruppenkommunikation dar, die durch drei essentielle Komponenten charakterisiert ist:

Vereinbarung einer bestimmten Geisteshaltung ("Philosophie"),
Einsatz bestimmter methodischer Schritte ("Software") und
Verwendung bestimmter Arbeits- und Hilfsmittel ("Hardware")

Die Moderations-Methode dient Personengruppen verschiedenster Größe und Zusammensetzung als zentrales Kommunikationsmittel zum
* Finden von Problemlösungen,
* Treffen von Entscheidungen und
* Planen von Aktivitäten.

Der Moderator (normalerweise arbeitet man mit 2 Moderatoren) hat dabei die Aufgabe, Gruppengespräche methodisch zu leiten, ohne sich dabei inhaltlich zu beteiligen und die Willensbildung der Gruppe zu beeinflussen. Seine Funktion ist es, für eine effektive Gestaltung von Gruppenkommunikation zu sorgen und die Gruppe zu ihrer optimalen (geistigen) Leistung zu führen.

1.2 Erfindung und Entwicklung der Moderations-Methode
Etwa 1975 fing es mit der Moderations-Methode an, in einer Zeit, in der Studentenunruhen und Protestbewegungen die Gesellschaft aus ihrem Dornröschenschlaf gerissen hatten. In vielen Bereichen, in Hochschulen und Betrieben, in Kirchen und Kommunen wurden die Verhältnisse nicht mehr so hingenommen, wie sie waren. Überall wurden Forderungen nach mehr Beteiligung an Entscheidungsprozessen, nach mehr Orientierung an den Wünschen und Bedürfnissen der Betroffenen hörbar.
Die Lautstärke der Forderungen konnte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es kaum Methoden gab, um die Vorstellungen von mehr Beteiligung zu erfüllen. Ob in Teach-Ins und Betriebsversammlungen, ob in Diskussionszirkeln oder Ausschüssen - allenthalben wurde erkennbar, dass es an Formen fehlte, in die ein neues Bewusstsein gegossen werden konnte.
Warum die alten Methoden nicht mehr funktionierten, war einfach zu verstehen, aber schwer zu ändern. Die gewohnten Gesprächsstrukturen gingen immer davon aus, dass es einen Leiter (Lehrer, Diskussionsleiter usw.) geben musste, der alles besser wusste als die anderen und deshalb sagte, wo es lang ging. Genau das aber widersprach den Wünschen nach Beteiligung und individueller Mitsprache.
Aber diese Erfahrungen beschränkten sich nicht auf die mehr oder weniger politischen Bewegungen. Die sechziger Jahre hatten ein neues Verständnis von der Planbarkeit sozialer Prozesse gebracht. Planungsstäbe und Unternehmensberatungen schossen aus dem Boden, machten umfangreiche Untersuchungen und fertigten dickleibige Gutachten an, die in den Schreibtischschubladen der Auftraggeber verschwanden - und alles blieb beim alten. "Beim alten" doch nicht ganz, denn unter den Betroffenen machten sich Unruhe und Ärger breit: Hatte man dafür so viel Zeit und Mühe für Analysen und Untersuchungen aufgewendet, Hoffnungen geweckt und Engagement erzeugt, dass nun nichts passierte?

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Es war nicht immer böser Wille oder Angst vor Veränderungen, dass nichts passierte. Vielmehr fehlte es auch an Methoden, Bedürfnisse und Wünsche adäquat zu erfassen und Betroffene an Umsetzungsprozessen zu beteiligen. Das "Quickborner Team" war damals eine der Unternehmensberatungen, die solche Erfahrungen gemacht hatten. Einer seiner Gründer, Eberhard Schnelle, kam deshalb auf den Gedanken, Entscheider auf ihre neuen Aufgaben vorzubereiten. Es entstand das "Entscheidertraining", Vorstufe der Moderations-Methode. Im Entscheidertraining wurden die Entscheider einerseits (meist die Hierarchen) mit Betroffenen andererseits zusammengebracht und in die Lage versetzt, gemeinsam kreative Lösungen zu finden.
Es folgten einige Jahre intensiver Kreativität, in der mit Methoden experimentiert wurde, in der Erfahrungen (gute und schlechte) gemacht wurden und in der sich langsam das herauskristallisierte, was wir heute "Moderations-Methode" nennen: eine Mischung aus Planungs- und Visualisierungstechniken, aus Gruppendynamik und Gesprächsführung, aus Sozialpsychologie, Soziologie, Betriebs- und Organisationslehre mit einem Verständnis von sozialen und psychischen Prozessen, die sich an Erkenntnisse und Erfahrungen der humanistischen Psychologie anlehnen.
Mehr und mehr rückten in der Folgezeit die Techniken in den Hintergrund, wurde die Haltung des Moderators zu den Menschen und zu den Problemen der Angelpunkt der Moderations-Methode. Im Gegensatz zum Lehrer, Trainer oder Vorgesetzten hat der Moderator gewissermaßen eine Hebammenfunktion: Er hilft der Gruppe, sich selbst zu verstehen, ihre Ziele und Wünsche zu formulieren, Lösungen zu erarbeiten und die Umsetzung sicherzustellen. Die Moderationstechniken sind sein Handwerkszeug, während der Moderationsprozess eher etwas mit künstlerischer Gestaltung zu tun hat: er verlangt Intuition und Einfühlungsvermögen. Das Handwerkszeug dient ihm dazu, die Gruppe in die Lage zu versetzen, sich ihren roten Faden selbst zu spinnen.
1973 war der Prozess des Erfindens und Experimentierens so weit gediehen, dass die ersten Moderatoren-Trainings stattfinden konnten. 1980 erschien die erste (vorläufige) Gesamtdarstellung der Moderations-Methode. (Karin Klebert, Einhard Schrader, Walter Straub, Moderations-Methode, Gestaltung der Meinungs- und Willensbildung in Gruppen, die miteinander lernen und leben, arbeiten und spielen, München, 1980). Zielgruppe dieses Buchs waren Personen, die die Moderations-Methode in Trainings gelernt hatten und sie nun in der Praxis anwenden wollten. Es enthält eine Zusammenstellung aller Einzelmethoden aber auch eine Darstellung des Ablaufs eines gesamten Moderationsprozesses. Darunter verstehen wir eine mehrtägige Veranstaltung, in der ein Bogen gespannt wird vom Zusammenführen der Gruppe über die gemeinsame Problemverständigung, die Problembearbeitung bis hin zur Erstellung eines Handlungskonzepts. Einen solchen gesamten Prozess zu konzipieren und durchzuführen, bedarf nach unserer Erfahrung eines gründlichen Ausbildungsprozesses und vieler Übung in der Praxis. Er lässt sich kaum ausschließlich aus einem Buch erlernen.
Obwohl die Moderations-Methode nun seit 1980 bekannt und veröffentlicht ist, hat sie ihren Einzug in Industrie- und Handelsunternehmen sowie in Verwaltungen erst einige Jahre später begonnen. In vielen Bereichen ist sie auch heute noch völlig unbekannt oder stößt zumindest bei den Hierarchen auf Skepsis. Erst im Rahmen eines neuen Qualitätsdenkens und einer Übertragung von Selbstverantwortung auf alle organisatorischen Ebenen hat die Methode in den 90er Jahren immer mehr an Bedeutung für moderne Organisationen gewonnen, was sich in der sprunghaft gestiegenen Zahl von Publikationen einerseits und Kursen und Schulungen andererseits zeigt.

1.3 Kurz-Moderation
In letzter Zeit wuchs nun das Interesse an der Moderations-Methode auch bei solchen Personen, die nicht die Möglichkeit haben, an einem Moderatoren-Training teilzunehmen und die auch nicht die Absicht haben, die Moderations-Methode im gesamten Umfang einzusetzen. Es hat sich nämlich inzwischen herausgestellt, dass die Moderations-Methode gut geeignet ist, einzelne Phasen in Besprechungen und in Lernveranstaltungen besser zu gestalten. Wir sprechen in diesem Fall von "Kurz-Moderation" und meinen damit, dass die Moderations-Methode in herkömmliche Veranstaltungsformen eingefügt wird, um diese effektiver oder abwechslungsreicher zu gestalten.
Für diesen Anwendungsbereich lohnt sich in der Regel keine drei- bis vierstufige Moderatoren-Ausbildung, sie ist auch bei dem sporadischen Einsatz der Moderations-Methode nicht zwingend erforderlich. Gleichwohl reicht es nicht, die Moderations-Methode irgendwo einmal erlebt zu haben, um sie dann selbst einzusetzen.

1.4 Metaplan-Technik
Der Begriff Metaplan-Technik wird oft als Synonym für die Moderationsmethode verwendet. Sie ist das Handwerkszeug um Menschen bei der Arbeit in Gruppen zu führen. Gruppenarbeiten mit Metaplan-Technik sind vorüberlegt und stimulieren die Interaktion. Der Moderator steuert ein Gesprächsziel an und beteiligt die Gruppe an der Ausarbeitung. Er wendet sich mit Fragen an die Gruppe, die jeden einzelnen zum Nachdenken und mitarbeiten bringen. Er lenkt die Aufmerksamkeit auf das Wichtige, gemeinsamer Handlungswille entsteht.
Mit Packpapier bespannte Stecktafeln, verschiedene Karten und Filzstifte sind die Hilfsmittel der Metaplan-Technik. Mit ihnen werden Sachverhalte und Diskussionsverläufe vor aller Augen sichtbar dargestellt. Die Metaplan-Technik wird angewendet um Probleme zu lösen, Erfahrungen auszutauschen, Pläne zu schmieden usw. Dazu werden Beiträge von allen Teilnehmern gebraucht.