2. ELEMENTE DER MODERATIONS-METHODE

2.1 Die Grundregeln
Neben den Methoden der Moderation, die im nächsten Kapitel im einzelnen beschrieben werden, gibt es einige essentielle Grundregeln, quasi die "Wurzeln", ohne die eine erfolgreiche Moderation nicht realisierbar ist.

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* Jeder kommt zu Wort und jede Meinung ist wichtig bedeutet, dass sich die moderierte Besprechung in einer Atmosphäre der Offenheit und gegenseitigen Achtung und Akzeptanz abspielen muss. Sollte dies nicht gewährleistet sein, so muss sich der Moderator darum Bemühen und gegebenenfalls latente Probleme zum Thema machen.
* Störungen haben Vorrang, bedeutet, dass sowohl rein organisatorische Störungen (z.B. Raum zu kalt oder zu warm, Teilnehmer sind müde oder hungrig usw.) als auch "atmosphärische" Störungen unter den Teilnehmern angesprochen und nach Möglichkeit ausgeräumt werden müssen. Es liegt in der Verantwortung des Moderators dies zu veranlassen.
* Keine Killerphrasen wie z.B. "das kann gar nicht gehen", "das haben wir schon immer so gemacht", "das haben wir noch nie so gemacht", "Sie immer mit Ihren Ideen" usw. (die Liste ist fast endlos lang!) zu verwenden, sollte eigentlich zur Selbstverständlichkeit werden. Treten Sie dennoch auf, werden sie als solche identifiziert, evtl. auch visualisiert, sind damit "unschädlich" gemacht.
* Fehler dürfen gemacht werden und Fragen müssen gestellt werden. Die Angst vor einem Fehler oder einer unangenehmen Reaktion des Plenums darf auf keinen Fall dazu führen, dass ein vielleicht wichtiger Gedanke oder eine Frage nicht geäußert werden und verloren gehen.
* Jeder ist verantwortlich und sollte sich auch verantwortlich fühlen, vor allem für das Ergebnis, aber auch für Organisatorisches (Ordnung halten, aufräumen, Kaffee kochen usw.).
* Fasse dich kurz ist eine Forderung, die auch als 2-Minuten-Regel bekannt ist und hilft, die Gesamtzeit auf das notwendige Minimum zu reduzieren. Gegebenenfalls muss der Moderator hier disziplinierend eingreifen.
* Es darf Spaß machen! Es soll Spaß machen!! Es muss Spaß machen, wenn ein optimales Ergebnis erzielt werden soll!!!

2.2 Der Moderator

Der Moderator ist ein methodischer Helfer, ein Katalysator, eine "Hebamme" für ein Problem. Sein Wissen, seine Erfahrung stehen den Teilnehmern zur Verfügung.

Der Moderator ist kein Leiter, Führer oder Hierarch, der "weiß wo's lang geht", er ist kein Lehrer, der es besser weiß, er ist kein Experte, der das "Eigentliche" weiß.

Der Moderator ist ein Fachmann für die Kommunikations-Methode, das "Wie" der Kommunikation zwischen Menschen. Das bestimmt seine Haltung, die sich mit folgenden Sätzen beschreiben lässt.

Der Moderator ...

* stellt seine eigenen Meinungen, Ziele und Werte zurück. Er bewertet weder Meinungsäußerungen noch Verhaltensweisen. Es gibt für ihn kein "richtig" oder "falsch" während der Moderation;
* nimmt eine fragende Haltung ein und keine behauptende. Durch Fragen aktiviert und öffnet er die Gruppe füreinander und für das Thema;
* ist sich seiner eigenen Einstellung zu Menschen und Themen, seiner eigenen Stärken und Schwächen bewusst und übernimmt für sich die Verantwortung. Er hilft damit auch den Teilnehmern möglichst selbstverantwortlich zu reagieren;
* fasst alle Äußerungen der Gruppe als Signale auf, die ihm den Gruppenprozess verstehen helfen, und versucht, den Teilnehmern ihr eigenes Verhalten bewusst zu machen, so dass Störungen und Konflikte bearbeitet werden können - ohne moralische Appelle auszusprechen;
* diskutiert nicht über die Methode, sondern wendet sie an;
* rechtfertigt sich nicht für seine Handlungen und Aussagen, sondern klärt die Schwierigkeiten, die hinter Angriffen und Provokationen stehen;
* arbeitet im Normalfall immer zu zweit, da sowohl die Technik der Moderation als auch die Beziehungssituation die Zusammenarbeit notwendig machen. In Ausnahmefällen, wie bei Spontanmoderationen oder bei Kurzmoderationen kann auch einmal ein Einzelner moderieren.
* muss kein "Fachmann" in der zu moderierenden Thematik sein. Eine gute Allgemeinbildung ist in der Regel ausreichend. Zu tiefe Sachkenntnis kann durchaus hinderlich sein, da es für den Moderator schwierig wird, seine eigene Meinung von der der zu moderierenden Gruppe zu trennen und Neutralität zu bewahren.

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Wenn der Moderator inhaltlich und/oder organisatorisch mit der Gruppe verbunden ist und daher auch einen eigenen Standpunkt einzubringen hat, muss er jeweils sichtbar machen, wann er in der Funktion des Moderators den Prozess steuert und wann er als Teil der Gruppe seine eigene Meinung äußert.

Wenn irgendmöglich, sollte stets mit 2 Moderatoren gearbeitet werden. Die Vorteile sind, dass die "Neutralität des Moderators" weniger problematisch ist und, dass der Gesamtgruppe weniger Zeit für Schreib-, Umbau- und Gestaltungsarbeiten sowie für andere (manuelle) methodische Schritte verloren geht. Zudem ist eine Moderation, die sich normalerweise über mehrere Stunden bis hin zu Tagen erstreckt, für einen Moderator von der Konzentration her schwer durchzuhalten und droht daher an Qualität zu verlieren.

 

2.3 Visualisierung

Begründung und allgemeine Regeln

* Visualisierung = Optische Darstellung = Informationen fürs Auge
* Die Visualisierung ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Moderations-Methode, ohne sie wären viele andere Techniken nicht so anwendbar und die Vorteile der Methode nicht wirksam.
* Der Mensch verfügt über fünf Sinne, d.h. über fünf Wahrnehmungskanäle, trotzdem nutzen wir für die meisten Kommunikationsprozesse in Gruppen nur einen Kanal: das Ohr !
* Die Konzentration und Aufmerksamkeit wird jedoch durch die optische Ansprache erheblich gesteigert. Darüber hinaus wird durch das Sehen mit den Augen beim Aufnehmen von Informationen die Merkfähigkeit erheblich gestärkt. Das gleichzeitig Gehörte und Gesehene bleibt besser im Gedächtnis haften.

Vorteile der Visualisierung für die Arbeit in Gruppen

* Visualisierte Aussagen erleichtern eine gleiche Interpretation bei allen Teilnehmern einer Gruppenarbeit. Sie erhöhen damit die Chance, die Probleme konkreter zu diskutieren und alle auf einen gemeinsamen Punkt zu konzentrieren.
* Die Visualisierung zwingt den Präsentator zu einer Selektion zwischen wesentlichen und unwesentlichen Informationen. Dadurch wird die Aufnahmekapazität der Mitglieder der Gruppe nicht überfordert.
* Verbal schwierig zu erklärende Sachverhalte sind durch die optische Unterstützung leichter zu vermitteln. Dadurch lassen sich unterschiedliche Informationsstände bei den Teilnehmern einfacher ausgleichen.
* Visualisierungen ermöglichen es, Aussagen, Kontroversen und Ergebnisse - für alle sichtbar - sofort darzustellen und festzuhalten. Es entstehen so keine nachträglichen Schwierigkeiten bei Standortbestimmungen, Zusammenfassungen, Dokumentationen, Informationsweitergaben und Interpretationen.
* Ferner trägt die Visualisierung dazu bei, dass sich die Teilnehmer mit dem Ergebnis identifizieren: jeder sieht seinen Beitrag und die Entstehung des Ergebnisses.
* Nach neueren Studien (z.B. Wharton-Studie, Universität Pennsylvania) werden in visualisierten Besprechungen häufiger Beschlüsse und Entscheidungen erzielt und die Sitzungen, Konferenzen, Präsentationen etc. werden ca. 30% kürzer!

Grundregeln für die Visualisierung

* Visualisierung für die Gruppenarbeit heißt, Plakate so vorzubereiten, dass die Gruppe damit arbeiten kann: Das können Fragen, Raster, Speicher, Scenarien oder Informationen sein.
* Im folgenden Teil finden Sie die wichtigsten Regeln, die für diese Visualisierung gelten. Plakattypen, die ständig gebraucht werden, sind bei den entsprechenden Phasen eines Moderationsablaufs (siehe 4.3 ff) dargestellt.
* Die Visualisierung ergänzt die präzise Erklärung der Arbeitsanweisungen, sie ersetzt sie nicht; es genügt deshalb, in Stichworten zu visualisieren.
* An der Sorgfalt der Visualisierung kann man erkennen, wie die Moderatoren die Menschen achten und wie wichtig sie ihre Arbeit nehmen;
* Informations-Eingaben (Präsentationen), die für die Diskussion wichtig sind, sollten ebenfalls visualisiert eingebracht werden.

Schrift

Zwei Schriftgrößen: Am besten bewähren sich die Filzstifte von Edding. Edding 1, den dünneren Stift, verwendet man für die Beschriftung von Karten und für Texte auf dem Plakat. Auch die Teilnehmer schreiben mit diesem Stift. Dadurch entsteht eine Schriftgröße (Höhe ca. 2,5 cm), die auch aus 6-8 m Entfernung noch lesbar ist. Das ist der übliche Abstand, den die Teilnehmer in einer Gruppe von max. 20 Personen von den Tafeln haben.

Edding 800, den dickeren Filzstift verwendet man für Überschriften, Betonungen, Linien, Zahlen und Pfeile (Schrifthöhe ca. 5 cm)

Diese unterschiedlichen Schriftgrößen ist man auch aus Druckerzeugnissen gewöhnt. Zeitungen gliedern z.B. die Seite durch unterschiedliche Schriftgrößen, Abstände und dicke und dünne Linien. An diese Gewohnheit wird mit unseren Visualisierungen angeknüpft.

Richtige Haltung der Filzstifte: Die Stifte so in die Hand nehmen, dass mit der vollen Breitseite geschrieben wird; beim Schreiben nicht mehr drehen.

Groß- und Kleinbuchstaben verwenden: Kleinbuchstaben ergeben wegen ihrer unterschiedlichen Ober- und Unterlängen unterschiedlichere Wortbilder, die für das Auge leichter voneinander zu unterscheiden sind. Sie können das auch in Schreibmaschinenschrift an folgendem Beispiel erkennen:

Visualisierungsbeispiel

VISUALISIERUNGSBEISPIEL

Druckschrift schreiben: Druckschrift ist besser lesbar als Schreibschrift, denn sie verschleift nicht so. Sie ist auch hilfreicher bei der Aufteilung von Schrift auf Karten und Plakaten.

Kurze Ober- und Unterlängen: Die Lesbarkeit der Schrift in Bezug auf ihre Größe hängt im wesentlichen ab von der Höhe der Mittellängen; lange Ober- und Unterlängen tragen nichts zur Lesbarkeit bei. Diese Art des Schreibens sehen Sie auf allen "Plakaten", die hier als Beispiele aufgenommen wurden.

Eng aneinander schreiben: Das Auge erfasst die einzelnen Wortbilder besser, wenn die Buchstaben eng aneinander gesetzt werden. Zwischenräume zwischen den Wörtern gliedern die Wahrnehmung einer Aussage.

Nicht optisch brüllen oder nuscheln: Sie sollten weder zu groß (über 5 cm) noch zu klein (unter 2,5 cm) schreiben. Genau wie in der Rhetorik sollten Sie Ihre Schrift der Größe der Gruppe und der Entfernung zu den Teilnehmern anpassen. Es wird hier von einer Gruppengröße bis zu 20 Teilnehmern und einer Entfernung von maximal 8 m ausgegangen.

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Schreiben von Moderations-Karten:
* nur 1 Gedanke pro Karte
* groß schreiben
* maximal 3 Zeilen pro Karte (besser nur 2).

Hilfsmittel der Visualisierung

Karten in der Größe 10 x 21 cm (= 1/3 DIN A 4) in den sechs Farben weiß, hellgrün, gelb, rot, blau und orange. Sie werden z.B. verwendet für Aussagen der Teilnehmer und für Texte auf Plakaten.

Kuller (runde Papierscheiben) in sechs Farben werden verwendet für Betonungen von Aussagen und Überschriften. Kleine Kuller verwendet man bei der Selbstzuordnung von Teilnehmern zu Kleingruppen. Die großen Kuller haben einen Durchmesser von 20 cm, die kleinen von 10 cm.

Ovale Kuller in verschiedenen Farben (Breite = 21 cm, Höhe = 10 cm) verwendet man z.B. beim schriftlichen Diskutieren, d. h. beim Festhalten von Aussagen der Plenumsteilnehmer nach der Vorstellung von Kleingruppenergebnissen. Damit unterscheiden sich die Karten aus dem Plenum von denen, die die Kleingruppe benutzt hat.

Überschriftstreifen in den sechs Farben heben die Titel besonders hervor. Wenn man sie untereinander klebt, kann man aus ihnen Wolken und andere großflächige Formen ausschneiden.

Selbstklebepunkte (9 mm Durchmesser) in verschiedenen Farben werden zum Beantworten von Punkt-Fragen und für Bewertungen z.B. von Themenkatalogen gebraucht.

Blitze (Konfliktpfeile) werden benutzt, um Konflikte, Widersprüche und Dissens zu kennzeichnen, Pfeile und andere Symbole zum Betonen von Aussagen. Alle Symbole wie auch die Linien, aus denen Speicher und Listen bestehen, werden mit dem dicken Filzstift gemalt. Betonende Symbole sollen nur sparsam verwendet werden.

Filzstifte (z.B. Edding 1 und edding 800) in verschiedenen Farben (am besten schwarz, blau, rot und grün) verwenden. Auf Karten sollte immer mit dem schwarzen Filzstift geschrieben werden, damit die Schrift genügend Kontrast zur Kartenfarbe behält. Farbige Filzstifte verwendet man vor allem, wenn man direkt auf das Plakat schreibt.

Freiflächen gliedern die Aussagen auf dem Plakat besser als Trennlinien. Freiflächen symbolisieren auch den geistigen Raum, der der Gruppe für die Mitarbeit eingeräumt wird.

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Alle Elemente, d.h. Farben, Formen, Symbole sollte man eher sparsam verwenden und möglichst funktionell einsetzen. Erst dadurch entstehen die Klarheit und Präzision des Denkens und damit der Information, die an die Gruppe herangetragen werden soll.

 

Anordnung der Visualisierungs-Elemente

Lesegewohnheit beachten: Wir orientieren uns selbstverständlich an der in unserem Kulturkreis üblichen Leserichtung von links nach rechts und von oben nach unten. Danach muss sich der Aufbau einer Visualisierung auf dem Plakat wie auch die Reihenfolge der Plakate auf mehreren Tafeln richten.

Collage-Technik nutzen: Beim Erstellen von Visualisierungen empfiehlt es sich, alle Texte auf Karten, Kuller oder Überschriften zu schreiben, sie zunächst aufzustecken (d.h. eine Collage herzustellen) und erst dann festzukleben, wenn die Visualisierung den Vorstellungen entspricht. So lassen sich auch leichter Korrekturen anbringen.

Nur eine Frage, einen Sinnzusammenhang je Plakat: Die Einheit des Gedankens ist sinnhaft ausgedrückt in der Einheit des Plakats. Das ist auch hilfreich für die nachträgliche Veränderung von Zusammenhängen zwischen einzelnen Plakaten.

Blöcke bilden: Schriftblöcke sind vom Auge besser zu erfassen als

Schriftzeilen, die über die ganze Breite des Plakats gehen. So können auch inhaltliche Zusammenhänge leichter erfasst werden. Überschriften und Fragen kommen immer in die linke obere Ecke des Plakats. Die Zeilenlänge soll ein Drittel der Plakatbreite nicht überschreiten.

Linien in Listen im Kartenabstand: Das Auge orientiert sich am Raster der Karte. Deshalb sollte dieses Raster auch in den Listen erhalten bleiben, d.h. der Abstand zwischen den Linien untereinander beträgt ca. 15 cm. Dadurch wird auch das Einhängen von einzelnen Karten in Listen erleichtert.

Wirkung des Plakats testen: Bevor Sie ein Plakat für fertig erklären, sehen Sie es sich aus der Zuschauerdistanz an. Erst aus dieser Entfernung können Sie feststellen, ob Sie die erwünschte Wirkung erzielt haben.