3. METHODEN UND ABLAUF EINER MODERATION

Wie ein Theaterstück hat auch die Moderation einen Spannungsbogen, der sich an dem Lebenstonus von Anspannen und Entspannen orientiert. Er nimmt Rücksicht auf die natürlichen Bedürfnisse der Menschen, ihre Aufnahmebereitschaft und ihre Aktivitätsbedürfnisse.

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In gewissen Grenzen kann der Moderationsablauf im Rahmen einer Moderations-Dramaturgie geplant werden. Der Erfolg einer Moderation hängt unter anderem davon ab, wie weit es dem Moderator gelingt, den Rhythmus seiner Moderation den Bedürfnissen und Fähigkeiten seiner Zielgruppe anzupassen. Dazu gehört - außer einer gründlichen Vorbereitung der Moderation - zum einen, die im folgenden beschriebenen Phasen zu berücksichtigen, zu anderen einen sinnvollen Wechsel zwischen Arbeit und Pausen einzuhalten.

Im folgenden wird ein typischer Ablauf einer moderierten Sitzung mit bis zu 30 Teilnehmern beschrieben und die jeweiligen Methoden erläutert.

 

3.1 Begrüßung - Kennenlernen - Anwärmen

Begrüßung

Begrüßen ist selbstverständlich. Doch bestimmt das "wie" der Begrüßung den ganzen Verlauf der Moderation, weil es einen wesentlichen Einfluss auf die Stimmung hat. Selbst wenn eine Gruppe verstimmt und konfliktgeladen ist, kann die Art wie sie "empfangen" wird, wesentlich dazu beitragen, dass eine kommunikationsbereite Haltung gefördert wird.

Einfluss darauf hat zunächst die Haltung und Einstellung des Moderators selbst:

* bin ich selbst offen?

* mag ich die Gruppe?

* wie ist meine eigene Stimmung?

Sodann ist die Vorbereitung des Raums wichtig, bevor die Gruppe kommt:

* erlaubt die Sitzordnung Bewegung und Kontakt?

* sind Plakate und Material zur Hand?

* wie kann der Raum zu einer angenehmen Ausstrahlung gestaltet werden

Kennenlernen

Zur informellen Begrüßung können Namensschilder (Tesa-Krepp-Streifen) verwendet werden. Zur informellen Begrüßung gehört auch

* die Vorstellung des Moderators/der Moderatoren

* wenn nötig Aussage über die Rolle/Funktion des Moderators und evtl. auch eine kurze Einführung in die Moderationsmethode

* Klarstellung, was mit dem Ergebnis der Veranstaltung passiert

Mit Hilfe eines Zielplakates kann der Moderator kurz etwas zu den Zielen der Veranstaltung sagen. Das Zielplakat kann natürlich auch von der Gruppe erstellt werden (siehe unten "Erwartungs-Abfrage").

Die Vorstellungsrunde kann auf verschiedene Weisen Ablaufen:

1. Der Moderator fragt jeden in der Runde (wer sind Sie? was machen Sie? wo kommen Sie her?)

2. In Form eines Gruppenspiegels oder Kennenlern-Matrix, d.h. einer vom Moderator vorbereiteten Tabelle, in die sich jeder (z.B. beim eintreten in den Raum) einträgt (z.B. Name, Tätigkeit, organisatorische Einheit, Hobbys usw.). Um etwas über die einzelnen Persönlichkeiten zur erfahren sind auch Halbsätze wie "Das kann ich nicht Ausstehen..." oder "Im Zirkus wäre ich am liebsten..." geeignet.

3. In einer Selbst-Präsentation spricht jeder Teilnehmer kurz (1-2 Minuten) über sich selbst.

4. Als Paar-Interview (kostet viel Zeit!)

5. Steckbrief: jeder schreibt oder "gestaltet" Informationen über sich auf einem Plakat (mindestens A3).

Anwärmen

Mit Hilfe einer Anwärmfrage dient dieser Schritt dazu die Gruppe bereit zu machen um miteinander zu arbeiten. Folgende Methoden können diese Funktion erfüllen:

1. Das Blitzlicht gibt jedem Teilnehmer die Möglichkeit, in einem kurzen Beitrag seine Gefühle anzusprechen, die ihn in der gegenwärtigen Situation bewegen. Es gelten folgende Regeln: Jeder spricht nur über sich, d.h. verwendet "ich" und nicht "man" und es gibt keine Diskussionen oder Stellungnahmen zu den Aussagen anderer.

2. Mit einer Erwartungs-Abfrage können die Teilnehmer (z.B. auf Karten) ihre Meinung zu einer Frage wie z.B. "Hier soll heute passieren" - "Hier soll heute nicht passieren" in einer gegenüberstellenden Tabelle kundtun.

3. Mit der Ein-Punkt-Abfrage kann der Moderator Einstellungen und Haltungen ("Erwartungsabfrage") oder Stimmungen ("Stimmungsbarometer") der Gruppe sichtbar machen. Sie kann erfolgen mit einer a) gleitenden Skala, b) einer gestuften Skala, oder c) mit einem 2-dimensionalen Koordinatenfeld:

a) Beispiel-Frage: Wie stark bin ich am Thema ... interessiert?

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b) Beispiel-Frage: Wie zufrieden bin ich mit ...

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c) Beispiel-Frage: Was erwarte ich von dieser Veranstaltung?

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Der Moderator bereitet dazu eine Pinwand entsprechend vor (Frage groß auf z.B. in einer Wolke sichtbar) und gibt den Teilnehmern je 1 Klebepunkt mit der Bitte, diesen an die seine Einstellung verkörpernde Stelle zu kleben. Danach kann der Moderator jedem um eine kurze Erläuterung seiner Wahl bitten und evtl. stichwortartig auf dem Plakat mitschreiben.

 

3.2 Problem- / Themenorientierung herstellen

Diese Phase dient dazu, der Gruppe ihre gemeinsamen Probleme und Themen bewusst zu machen. Dazu muss die Energie der Gruppe aktiviert werden:

* Die Gruppe muss sich der Bedeutung des Themas bewusst werden

* Wenn alle thematischen Aspekte aus der Gruppe selbst kommen, kann diese sich nachher auch mit den Resultaten identifizieren und die Verantwortung dafür übernehmen.

* Nur wenn alle Teilnehmer sich beteiligen können, können sie auch ihren spezifischen Punkt des Engagements finden.

* Notwendige Vorinformationen sollten kurz - und die Kernsätze daraus visualisiert sein.

* Fragestellungen so konkret wie möglich erarbeiten!

* Formulierung als offenen Fragen, oder Halbsätze sind besonders empfehlenswert.

* In dieser Phase wird nur über die Formulierung des Problems, noch nicht über Inhalte oder gar Lösungen gesprochen;

* unterschiedliche Meinungen sollen auf Plakate gebracht werden.

Folgende Methoden eignen sich für diese Phase:

1. Tagesordnung: Aufstellen einer gemeinsamen Tagesordnung (auf einem Plakat für alle sichtbar und transparent), mit Zeitdauer, sinnvoller Reihenfolge der Tagesordnungspunkte.

2. Zuruf-Frage: Die Gruppe wird vom Moderator aufgefordert alles schnell und ungeordnet auszurufen, was jedem zu dem Thema einfällt; alles wird auf einem Plakat festgehalten, dann geordnet. Diese Methode ist sinnvoll, wenn es auf Kreativität (Brainstorming-Effekt, d.h. Ideen anderer aufgreifen und "weiterentwickeln") ankommt und eine Anonymität nicht erforderlich ist.

3. Karten-Abfrage: Bei der Karten-Abfrage schreiben die Teilnehmer ihre Äußerungen zu einer deutlich sichtbar visualisierten Frage (z.B. "Worüber wollen wir heute reden?") auf Karten, die anschließend vom Moderator eingesammelt und gemeinsam mit der Gruppe zunächst ungeordnet oder gleich geordnet (siehe clustern) an Pinwände gehängt werden. Jedem Teilnehmer stehen beliebig viele Karten zur Verfügung; bei Zeitknappheit kann auch die Kartenzahl begrenzt werden. Um Redundanzen etwas einzuschränken, können die Karten auch in Kleingruppen (2-5 Teilnehmer) produziert werden. Auf keinen Fall dürfen Karten weggeworfen werden (auch Karten gleichen Inhalts müssen alle sichtbar bleiben). Die Karten-Abfrage ist geeignet, wenn eine gewisse Anonymität erforderlich ist, wenn Zeit zum Überlegen notwendig ist und/oder wenn Häufungen sichtbar werden sollen.

4. Clustern (= klumpen): Die bei der Kartenabfrage gesammelten Karten werden nach dem Gesichtspunkt "was ist thematisch verwandt und lässt sich gemeinsam bearbeiten" geordnet (="geclustert" oder "geklumpt"). Dazu werden die Karten nacheinander laut vorgelesen und mit der Gruppe gemeinsam nach Aussagekomplexen sortiert. Dabei kann man hart clustern indem themenverwandte Karten jeweils genau in einer Spalte aufgehängt werden oder weich clustern, wobei Karten zu ähnlichen Aspekten eines Themas nahe beieinander, Karten zu verschiedenen Gesichtspunkten weit voneinander getrennt aufgehängt werden. Bei Unstimmigkeiten darüber, wo die Karten angepinnt werden soll, entscheidet im Zweifelsfall der Urheber der Karte oder es wird eine zweite, gleichlautende Karte angefertigt, die an anderer Stelle aufgehängt werden kann. In jedem Fall ergeben sich Cluster, deren gemeinsamer Aspekt herausgearbeitet und in Form eines Oberbegriffs, einer Überschrift oder eines Titels benannt wird. Diese Begriffe werden in den Problemspeicher übertragen.

5. Problemspeicher (auch Themenspeicher): In den Problemspeicher werden alle Themen, Begriffe, Probleme, Wünsche, Oberbegriffe usw. eingetragen, die entweder über Karten-Abfrage (evtl. mit anschließendem clustern) oder Zuruf-Frage gesammelt wurden. Er dient zu Herstellung einer Übersicht und erlaubt die Vergabe von Prioritäten (Wichtung) der Probleme für die anschließende Bearbeitung.

6. Die Bewertung oder Wichtung der Prioritäten-Rangordnung der Probleme kann von den Teilnehmern auf die Frage "Was ist das wichtigste Problem" oder "mit welchem Thema sollten wir beginnen" am besten durch Aufkleben von Selbstklebepunkten vorgenommen (Mehrpunktabfrage) werden. Dabei stehen jedem Teilnehmer ca. halb so viele Punkt zur Verfügung, wie Themen im Problemspeicher vorhanden sind. Auch das kumulieren oder häufeln der Punkte auf bestimmte Themen kann mit den Gruppenteilnehmern vereinbart werden. Die Klebepunkte werden ausgezählt und der Moderator schreibt die Zahl und die daraus resultierende Priorität auf das Plakat.

3.3 Problembearbeitung

In dieser Phase findet die eigentliche Arbeit an den Problemen statt. Sie besteht aus einem intensiven Kommunikationsprozess der Teilnehmer untereinander. Eine Teilung in Kleingruppen ist dazu oft hilfreich.

Die Kleingruppenarbeit sollte mit 4-5 Gruppenmitgliedern durchgeführt werden und nicht länger als 60 Minuten dauern. Den Kleingruppen sollten 2-3 Stellwände zur Verfügung stehen. Sie können alle im selben Raum arbeiten, wobei die Pinwände als Trennwände dienen. Die wichtigsten Gesichtspunkt sollten auf Plakaten unter Zuhilfenahme alle Moderations-Materialien und Methoden mitvisualisiert werden. Auseinandersetzungen unter den Gruppenmitgliedern sind durchaus hilfreich und fördern den Lösungsprozess. In jedem Fall sollte die Kleingruppe einen Moderator wählen.

Die Kleingruppenbildung kann themenorientiert erfolgen, wobei sich jeder Teilnehmer das Thema aussucht, an dem er am stärksten interessiert ist. Bei großem Interesse an einem Thema, kann das auch in mehreren Gruppen parallel bearbeitet werden. Andere Möglichkeiten der Kleingruppenbildung sind: einfach durch Zufall (losen, abzählen, nach der Sitzordnung), nach Sympathie oder durch hierarchische Strukturen.

Mit dem aus 5 logischen Schritten bestehenden Problem-Lösungs-Zyklus (auch Problem-Ursachen-Analyse mit Lösungsfindung genannt) wird der Gruppe eine Denk- und Diskussionsstruktur empfohlen, die es ihr erleichtert, in angemessener Zeit ein gutes Ergebnis zu erzielen. Bei diese Vorgehensweise wird (nach dem Erkennen und definieren eines Problems) der eigentlichen Lösungsfindung eine genaue Präzisierung und Problemanalyse (2. Schritt) vorangestellt, die den Diskussionsprozess schnell in Gang setzt und Widersprüche und Gemeinsamkeiten deutlich werden lässt.

Neben vielen anderen Kreativitätstechniken stellt vor allem das Brainstorming, ein zunächst unstrukturiertes und unkommentiertes Sammeln von Ideen, ein nützliches Hilfsmittel für den Lösungsfindungsprozeß (3. Schritt) dar.

Alle Ideen werden im 4. Schritt bewertet. Die besten Ideen und Lösungsansätze werden ausgewählt und ihre Umsetzung wird in einer Aktivitäten- oder Aufgabenliste geplant. Die Realisierungsphase (5. Schritt) liegt dann normalerweise außerhalb der moderierten Sitzung.

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Das Kleingruppenszenario, eine Gegenüberstellung von IST- und SOLL-Zustand, den Widerständen und Ursachen, weshalb diese Zustände voneinander abweichen und den Lösungsvorschlägen stellt eine weitere Möglichkeit für die Kleingruppe ihr Problem anzugehen dar. Das Kleingruppenszenario lässt sich sehr übersichtlich auf einem Plakat mit 4 Feldern darstellen. Diese Methode eignet sich vor allem, wenn die Zeit für die Kleingruppenarbeit knapp ist oder das Problem nicht sehr komplex ist. Nachteilig ist, dass der Schritt der Analyse oft zu kurz kommt zu schnell und nicht ausreichend durchdacht nach Lösungen gesucht wird. Statt nach Widerständen und Lösungsansätzen zu fragen können auch "offene/weiterführende Fragen" gesammelt werden oder die ersten Schritte zur Lösung nur andiskutiert werden.

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Anschließend folgen anhand der von den Kleingruppen erstellten Plakate die Präsentation der Kleingruppenarbeiten von am besten zwei Kleingruppenmitgliedern im Plenum. Zwei Teilnehmer sind wichtig, damit nicht der Eindruck entsteht, es sei das Ergebnis eines einzelnen. Da die Präsentation von vielen Kleingruppen einige Zeit in Anspruch nimmt, sollten sie im einzelnen nicht länger als 5 Minuten dauern.

Im Anschluss stellt der Moderator die Frage, ob das Thema erschöpfend behandelt ist, oder ob es weiter bearbeitet werden muss. Ist letzteres der Fall, so wird die - nun meist viel konkretere - neue Fragestellung in den Problemspeicher aufgenommen und bei nächster Gelegenheit, wenn genügend Zeit verbleibt auch sofort, weiter bearbeitet.

Will das Plenum sich zu der Präsentation äußern, so bietet sich die Möglichkeit des schriftlichen Diskutierens an. Die Plenunmsmitglieder schreiben ihre Kommentare, Widersprüche, Ergänzungen usw. auf Karten (diese Karten sollten sich optisch unterscheiden von denen, die die Kleingruppe evtl. benutzt hat). Diese Karten werden in das Kleingruppenplakat gehängt. Eventuelle Widersprüche können mit einem Blitz kenntlich gemacht werden.

 

3.4 Ergebnisorientierung

Das wichtigste Instrument zur Ergebnisorientierung ist der Aufgabenliste, auch Tätigkeitskatalog, Pflichtenheft, Maßnahmenplan oder Aktivitätenliste genannt. Hier sind, so konkret wie möglich, die Aktivitäten enthalten, die im Laufe der Moderation angeregt werden und die dazu dienen, die angesprochenen Probleme zu lösen. Er kann durch das Sammeln von "Lösungsansätzen" und "ersten Schritten" in Kleingruppen vorbereitet werden.

Beim Erarbeiten der Aufgabenliste muss auf folgendes geachtet werden:

* Spalte "Tätigkeiten":
Die geplanten Aktivitäten sollt:
- realistisch,
- konkret und eindeutig formuliert,
- terminiert (siehe unten) und
- überprüfbar
sein, so dass ihre Durchführung leicht von der Gruppe kontrolliert werden kann. So ist die Tätigkeit "Ein Haus in X bauen" zu komplex. Es genügt, in den Tätigkeitskatalog zu schreiben: "Kontakt mit A aufnehmen, um Konzept für Haus in X zu erarbeiten." Aus diesem Konzept ergeben sich dann die weiteren Schritte

Aufgabenliste

Nr.

Tätigkeit wer? mit wem? bis wann? Bemerkungen

1

         

2

         

3

         

.

         

.

         

.

         

* Spalte "Wer": In dieser Spalte können nur Anwesende stehen, denn es ist zwar leicht, aber meistens erfolglos, Tätigkeiten für andere zu erfinden. Findet sich in der Gruppe niemand, der die Kompetenz für eine gewünschte Maßnahme hat, muss sich zumindest ein Anwesender bereiterklären, die "Patenschaft" für die Tätigkeit zu übernehmen, d.h. sie an die Stelle weiterzugeben, die zuständig ist. Findet sich niemand, der die Tätigkeit übernehmen will, wird sie wieder aus dem Katalog gestrichen. Sie ist dann offensichtlich nicht so wichtig, dass jemand Energie dafür aufbringen will.

* Spalte "Mit wem": Hier können Anwesende stehen, es können aber auch Personen, Organisationseinheiten oder Institutionen eingetragen werden, die entweder bei der Realisierung helfen können oder als Beteiligte/Betroffene einbezogen werden müssen.

* Spalte "Bis wann": Sie soll eine realistische Zeitschätzung enthalten und nicht weiter als drei Monate in die Zukunft reichen. Wird für eine Tätigkeit mehr Zeitbedarf geschätzt, so ist sie in kleinere Schritte zu zerlegen, die in kürzeren Zeiträumen durchgeführt werden können.

* Spalte "Bemerkungen": Hier können Stichworte zur Art der Durchführung aufgeschrieben werden, es kann hier auch festgehalten werden, an wen das Ergebnis der Aktivität "abgeliefert" werden soll oder wer letztlich darüber zu entscheiden hat.

Achtung!
* Die Aufstellung der Aufgabenliste ist häufig die kritischste Phase in der Moderation, weil hier einzelne "Farbe bekennen" müssen, ob sie sich engagieren wollen oder nicht. Sie sollte deshalb in großer Ruhe und ohne starken Druck von Seiten der Moderatoren durchgeführt werden.
* Absolut verboten sind Formulierungen wie "Man müsste auch 'mal..." oder "Jeder sollte vielleicht einmal...". Bevor diese erscheinen, sollte die entsprechende Aktivität lieber ganz gestrichen werden.
* In manchen Moderationen - gerade wenn sie gut gelaufen sind - entsteht zu diesem Zeitpunkt ein hohes Maß an Euphorie. Das kann sich auf die Selbstverpflichtungen, aber auch auf die Zeitschätzungen beziehen. Der Tätigkeitskatalog sollte deshalb später nicht als Drohmittel hervorgeholt werden. Vielmehr ist es ganz normal, dass Tätigkeitskataloge nach einem gewissen Zeitabstand korrigiert werden müssen. Das sollte allerdings die Gruppe, die ihn erstellt hat, gemeinsam tun.
* Nicht jede Aktivität muss die einhellige Zustimmung aller Teilnehmer finden. Die Bereitschaft einzelner, sich für eine bestimmte Sache einzusetzen, die daraus erkennbare Energie, sollte nicht unterdrückt werden. Allerdings sollte der Moderator die Gruppe aufmerksam machen, wenn er feststellt, dass einzelne sich mit Aufgaben überhäufen, während sich andere heraushalten.

Selbst-Verpflichtung/ Selbstreflexion

Nicht jede Moderation führt zu Gruppenaktivitäten. Insbesondere lernorientierte Moderationen münden eher in Appelle oder Empfehlungen und Aktivitäten für jeden einzelnen. Ob diese "guten Vorsätze" auch wirklich in den Alltag mitgenommen werden, hängt meist davon ab, dass sie nicht zu umfangreich und nicht zu schwer zu erfüllen sind.

Es empfiehlt sich, solche Selbstverpflichtungs- und Regelkataloge in Einzelarbeit vorzubereiten, in denen der Teilnehmer die Moderation noch einmal an sich vorüberziehen lässt, sich die wichtigsten Erkenntnisse und Erfahrungen notiert und sich eine, höchstens zwei konkrete, einfache Schritte vornimmt, von denen er realistischer Weise erwarten kann, dass er sie auch einhält.

Je nachdem, wie hoch der Vertrauensgrad in der Gruppe ist, kann über diese Selbstverpflichtungen in einem Schlussblitzlicht gesprochen werden.

 

3.5 Abschluss und Protokoll

Der Abschluss der Moderation vollzieht sich auf drei Ebenen:

* das inhaltliche, sachliche Ergebnis

* das Reflektieren des Prozesses, durch den das Ergebnis erzielt wurde

* das Ausdrücken der Gefühle, mit denen die Teilnehmer aus dem Raum gehen

Sowohl für den Moderator als auch die Teilnehmer ist es wichtig sich klar zu machen, wie das Ergebnis einzuschätzen ist. Dafür eignet sich besonders die Abschlussfrage als Ein-Punkt-Abfrage (siehe oben). Als Frage könnte man formulieren "wie zufrieden bin ich mit ... ?" Es kann auch das Plakat der anfänglichen Ein-Punkt-Abfrage wieder hervorgeholt werden und noch einmal mit Punkten in einer anderen Farbe beklebt werden.

Besonders in Gruppen, denen die Moderations-Methode nicht vertraut ist, ist die Frage nach der Zufriedenheit sinnvoll. Nicht zuletzt gibt sie auch dem Moderator Auskunft über die Einschätzung der Teilnehmer.

Wenn der zwischenmenschliche Bereich während der Moderation im Vordergrund stand, können die positiven und negativen Gefühle am Schluss durch ein Abschluss-Blitzlicht zum Ausdruck gebracht werden. Es bieten sich Statements an wie "was war mir wichtig?", "was möchte ich der Gruppe noch sagen?" oder "was nehme ich mit nach Hause?". Regel für das Abschluss-Blitzlicht: keine Äußerungen darf von irgendjemandem kommentiert werden.

Eine intensivere Form ist der Feedback-Markt. Dabei kann jeder bis zu drei Partner wählen, mit denen jeweils er sich zu einem Zweiergespräch zurückzieht. Vorsicht! Die Teilnehmer sollten bei Anwendung des Feedback-Marktes gelernt haben, wie man dem anderen seine Wahrnehmungen schildern ohne einerseits zu verletzen oder andererseits nur Schmeicheleien zu sagen.

Als Abschluss bietet sich auch eine kurze Kartenabfrage oder eine Graffiti-Tafel an, z.B. mit den Fragestellungen: "Das fand ich heute gut..." und das könnte besser werden..." oder "Das war mir heute wichtig...".

 

Das Protokoll

Alle wichtigen Informationen, Aussagen, Diskussionen, Gruppenarbeiten usw. schlagen sich im Verlauf der Moderation auf Plakaten nieder. Werden diese fotografiert, auf DIN A4 vergrößert und dann in Kopie jedem Teilnehmer zur Verfügung gestellt so entsteht sozusagen als "Abfallprodukt" das Simultanprotokoll oder Foto-Protokoll. Statt fotografieren kann man die Plakate natürlich auch abschreiben. Eine elegante Möglichkeit der Protokollerstellung ist der Protokollkopierer, ein Gerät, das die Plakate scannt und auf DIN A4 verkleinert wiedergibt.

 

3.6 Moderation mit größeren Teilnehmerzahlen (>30)

Bei größeren Veranstaltungen lassen sich die meisten der beschriebenen Methoden ebenfalls anwenden, wobei man ein Teilen in Kleingruppen sehr früh im Verlauf der Gesamtsitzung vornehmen sollte. Auch ein mehrmaliges Teilen, d.h. man teilt die Gesamtgruppe z.B. je nach Interessenlage in mehrere Untergruppen, die sich dann nochmals in Kleingruppen teilen, die nach Bedarf wiederum in Kleingruppen zerfallen können. In jedem Fall sollten die Ergebnisse am Ende im Plenum präsentiert werden.

Eine alternative Methode zur Moderation von großen Gruppen ist der Info-Markt. Er eignet sich als Veranstaltungsform für Gruppengrößen ab ca. 30 Teilnehmern, in denen in mehreren Teil-Gruppen (Info-Ständen) gleichzeitig gearbeitet wird. Ziel des Info-Markts ist es, den Teilnehmern eine aktive Verarbeitung von und Auseinandersetzung mit den angebotenen Informationen in überschaubarer Gruppengröße zu ermöglichen. Der Informationsaustausch erfolgt jeweils an einem Info-Stand, der einem bestimmten Teilthema des Info-Markts gewidmet ist. In dem Stand werden die Teilnehmer (10 - 20 Personen) mit den zu diesem Thema wichtigen Informationen vertraut gemacht, und sie haben Gelegenheit, durch die angebotenen Lernmethoden die Informationen zu verarbeiten, zu ergänzen und für ihre Zwecke nutzbar zu machen. Wenn der Info-Markt in einer einzigen Halle stattfindet, besteht der Info-Stand aus einer Reihe von Pinwänden, die für die Moderation gebraucht werden und gleichzeitig den Stand optisch von anderen Ständen abschirmen. Je nach Organisation des Info-Markts haben die Teilnehmer die Möglichkeit, nacheinander alle Stände zu besuchen oder einzelne Stände aus dem Gesamtangebot auszuwählen. Üblicherweise werden die Stände mit Großbuchstaben bezeichnet, um die Orientierung zu erleichtern.

Bei der Planung von Großveranstaltungen ist zu bedenken, dass alle Hilfsmittel (Pinwände, Stifte, Karten usw.) in ausreichender Zahl bereitgestellt werden. Auch eine entsprechende Zahl von Moderatoren, die mit den Methoden gut vertraut sind, ist notwendig.